Auf wen hörst Du?

Zum Alltag mit Depressionen gehören viele innere und äußere Stimmen, die angeblich alle nur mein Bestes wollen. Aber welche helfen wirklich?

Diesen Text habe ich im September geschrieben. Er war einer meiner Beiträge für Aparecida Teodoros Ausstellung über Depressionen im UM-perfekten Raum in Kiel vom 08.-10.09.2017 anlässlich des Welttags der Suizidprävention. Die Darstellungsweise ist inspiriert durch das Theaterstück „Symbiosis“, das wir dort aufgeführt haben.

 

Auf wen hörst Du?

„Stell dich nicht so an!“

„Du brauchst doch bloß einen Tritt in den Hintern, faule Socke!“

„Du bist doch noch so jung!“

„Jedem geht es mal schlecht.“

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

„Mach Sport, geh unter Leute!“

„Du musst nur wollen!“

„Benimm dich wie ein Erwachsener!“

„Du hast doch nichts.“

„Das kann doch gar nicht sein!“

„Anderen geht es noch viel schlechter!“

„Mach doch einfach mal … !“

„Such dir eine sinnvolle Aufgabe, dann geht es dir gleich viel besser!“

„Aber du lächelst doch immer?“

Der Rest der Welt – und ich selbst

 

„Kämpf. Nimm Tabletten. Setz dir kleine Ziele, arbeite an dir und deinem Selbstwertgefühl! MACH!“

Die Therapie

 

„Kannst Du wirklich nicht arbeiten?“

Das Sozialamt

 

„Vergiss es. Dich versteht niemand. Nicht einmal du selbst!“

Die Einsamkeit

 

„Das Leben findet ohne Dich statt.“

Die Isolation

 

„Du bist nicht gut genug. Du bist es gar nicht wert. Du hast nichts Besseres verdient.“

Die Selbstverurteilung

 

„Du bist eine Belastung für alle! Wag es ja nicht, da auch noch um Hilfe zu bitten!“

Die Depression

 

„Es ist alles zu viel. Du kannst nicht mehr. Gar nicht.“

Die Erschöpfung

 

„Du bist doch längst tot, das ist doch überhaupt kein Leben!“

Der Verstand

 

„Das ist eben dein Schicksal.“

Die Resignation

 

„STOP! Hör auf damit. Die Depression ist ein Teil von Dir, aber Du bist noch mehr! Hör auf, gegen sie und damit gegen dich selbst zu kämpfen. Das spart Energie, von der du sowieso gerade zu wenig hast. Nimm an, was jetzt gerade ist, ohne Kampf, ohne Urteil. Ja, du hast eine Depression. Ja, alles sieht gerade doof aus. Du kannst vieles gerade nicht mehr, das meiste macht keinen Spaß. Aber da ist noch mehr!
Wende den Blick: Was ist genau jetzt möglich? Was tut dir genau jetzt gut? Schau auf das Mögliche, das Schöne, das Liebevolle, so klein es auch sein mag. Nicht, weil du musst. Sondern, weil du es kannst, darfst und möchtest! Wer verbietet dir, mit Depressionen glücklich zu sein? Und wer hat tatsächlich die Macht dazu? NIEMAND außer dir selbst! Also: Erlaube dir, glücklich zu sein. Unabhängig von allem, was war oder ist. Genau dann beginnst du, das Beste aus dem zu machen, was gerade ist. Das nennt sich Leben. LEBE!“

Der Teil von mir, der nicht Depression ist

 

Wem glaubst du?

 

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