Mamas Winkelblicke: Freude durch Anerkennung

Ist Dir eigentlich bewusst, was Du alles jeden Tag leistest?
Erkennen kommt vor An-Erkennen!

Kennst Du die Kurzgeschichte, in welcher der Ehemann von der Arbeit nach Hause kommt und heilloses Chaos vorfindet? Er schlängelt sich panisch durch das Haus und findet schließlich seine Frau entspannt lesend im Bett. Auf seine Frage, was um alles in der Welt passiert sei, antwortet sie sinngemäß: „Ich habe heute mal das gemacht, was Du immer behauptest: nichts.“

Ich kenne diese Geschichte schon länger und finde sie immer wieder treffend, so oft sie mir begegnet. Und trotzdem: Viel zu oft gehe ich abends völlig erschöpft ins Bett mit dem Gefühl, schon wieder nichts geschafft zu haben. Dafür brauche ich nicht einmal einen Ehemann. 😉

Vor allem, seit mein kleines Wunder auf der Welt ist, das am liebsten in jeder freien Minuten meine Aufmerksamkeit hätte. Und zugegeben, ich würde ja auch am liebsten den ganzen Tag mit ihm kuscheln, singen und lachen. Nur warten da noch andere Aufgaben. Viele. Und an manchen Tagen schaffe ich es nicht einmal, nach dem Frühstück noch etwas zu essen, ehe mein Zwergi abends schläft. So gegen 22 Uhr. (Ja, da darf ich mich noch besser organisieren, aber das ist ein anderes Thema.) Und dann wartet da immer noch… Stopp! Ich denke, Du kennst das.

Und dann kam das Fieber.

Alleinerziehend ohne weitere Familie – dafür mit einem ordentlichen Infekt gegen Ende des Wochenbetts. Jippie. Was blieb mir also übrig, als auf Sparflamme weiterzumachen? Wickeln, Trinken, Schlafen, Trinken, Stillen, Trinken, Schlafen, Trinken – und wieder von vorn. Am ersten Tag passierte gar nichts. Das Fieber ging zurück. Am zweiten Tag habe ich was zu essen aus dem Gefrierschrank geholt und den vollen Geschirrspüler angestellt, während die Windeln bedrohlich zur Neige gingen.

Und am dritten Tag? Nach dem Ausschlafen (häppchenweise, da wollte ja noch jemand zwischendurch trinken und gewickelt werden) und Duschen fühle ich mich endlich wieder lebendig. Und fand mich im heillosen Chaos wieder. Es sieht sonst schon oft voll und nicht besonders ordentlich bei mir aus. Aber da war eine Bombe eingeschlagen. Mindestens. Da musste ich an die Geschichte oben denken. Und Windeln waschen. Sofort.

Ich habe also Windeln und Wäsche gewaschen und aufgehängt, ein paar Windeln ausnahmsweise durch den Trockner gejagt, den Geschirrspüler ausgeräumt und gleich wieder gefüllt, die Küche geputzt, das Bad aufgeräumt, den Wickeltisch nachgefüllt – und ganz nebenbei noch meinen Zwergi versogt. Und alles, was ich in den Tagen stehen und liegen gelassen hatte, mal eben nebenbei noch wieder weggeschafft. Und Tee getrunken – gesund war ich noch nicht wieder.

Am vierten Tag war ich so stolz auf mich selbst wie schon lange nicht mehr. Warum?

Zurück aus dem Chaos in einem halben Tag

Und ich war so unglaublich dankbar für diese Erfahrung. Denn wie großartig bin ich bitte organisiert und vorbereitet, dass in den ersten beiden Tagen auch auf Sparflamme alles problemlos lief und kaum auffiel, dass ich „nichts“ machen konnte? Abgesehen von dem „Nichts“, das mit einem Säugling einfach notwendig ist. Gut, am ersten Tag habe ich so vor mich hin vegetiert, dass ich weder viel dreckiges Geschirr noch eigene Wäsche produziert habe. Und Babywäsche ist winzig, da wird die Waschmaschine nicht so schnell voll. Also war es am Ende wirklich ein einziger Tag Nichtstun, der zu diesem riesigen Chaos führte – und nur ein halber Tag, um das wieder zu beseitigen. Und da wurde mir zum ersten Mal nach der Geburt meines Kindes bewusst, was ich eigentlich jeden Tag „mal eben nebenbei“ so leiste. Und das ist alles andere als „nichts“!

Jetzt mit einigen Wochen Abstand stelle ich zwei Dinge fest: Zum einen habe ich ganz viele weitere Tätigkeiten gar nicht mit aufgezählt. Und zum anderen erkenne ich mich noch immer nicht so richtig an dafür. Da ist immer noch so eine Stimme in mir, die mir erzählen möchte, dass das doch völlig selbstverständlich, im Grunde „nichts“ sei und andere das und noch viel mehr im Gegensatz zu mir mit links und ohne den albernen Wunsch nach Anerkennung erledigen.

Ist das so? Ehrlich gesagt erlebe ich in letzter Zeit viel mehr Menschen, die regelmäßig der Meinung sind, „nicht genug“ geschafft zu haben. Insbesondere Mütter. Und ehrlich mal, selbst „nur“ ein Kind zu versorgen – oder gar mehrere – ist alles andere als „nur“! Und dann gibt es da ja auch noch Gärten und Haustiere, die mit versorgt werden, einen Job, der gemacht werden will – und ganz vielleicht bleibt sogar noch Zeit für Freunde oder Hobbys übrig.

Und deshalb wähle ich heute neu:

Ab jetzt großartig!

Jeder, der seinen Haushalt halbwegs ordentlich führt, hat meinen Respekt und meine Anerkennung. Jede Mutter, die ihre Kinder versorgt, hat meinen vollen Respekt und meine tiefe Anerkennung. Natürlich auch jeder Vater. Und jede Mami, die das alles allein stemmt, ist unglaublich! Jeder Mensch, der sich dabei unterstützen lässt, ist großartig – denn er oder sie hat verstanden, dass da eine Menge zu tun ist.

Ich bin eine von all denen – also muss auch ich großartig sein!

Es gibt nur eins, was mich noch mehr beeindruckt, weil ich davon noch viel zu wenige kenne: Mamas, die all das organisieren und sich dafür auch voll anerkennen. Ganz selbstverständlich. Das sind diejenigen, die sich selbst und das Leben feiern.

Weil sie es können – und weil es Spaß macht!

Ich beschließe hiermit: Ab sofort gehöre ich dazu. Du auch?

Mamas Winkelblicke: Papas – die verkannten Helden

Bestimmt kennst auch Du einen Papa vor der Sorte, über die ich heute schreibe: Stolz wie Oskar, dass er bei der Geburt dabei war, total verliebt in sein Kind, manchmal super süß und zugewandt – und weit weg, wenn es um Verantwortung geht.

Was, wenn wir Mamas es auch einmal so machen würden? Uns erlauben, was sie sich erlauben?

Es wäre ein Segen für die ganze Familie!

Bestimmt kennst auch Du einen Papa von der Sorte, über die ich heute schreibe: Stolz wie Oskar, dass er bei der Geburt dabei war, total verliebt in sein Kind, manchmal super süß und zugewandt – und weit weg, wenn es um Verantwortung geht.

Meine Bandbreite der Reaktionen reicht von neutral über verstehen wollend („Papas haben eben keine Mamahormone“) und fassungslos bis hin zu stinksauer.

Dann suche ich nach den guten Dingen – denn sie sind ja da!

Er war bei der Geburt dabei – in den letzten paar Stunden oder Minuten, nachdem Mama das Baby monatelang allein ausgebrütet hat, während alle ihre Beschwerden abgetan haben…
Er wechselt die Windel – einmal pro Woche, sofern sie nicht stinkt…
Er kauft nach der Arbeit noch ein – beim Supermarkt, der auf dem Arbeitsweg liegt, nach dem Zettel, den die Mama ihm geschrieben hat…
Er hat auch mal Abendbrot organisiert – von Mc Doof und eine halbe Stunde nach der regulären Zeit…
Er spielt super süß mit den Kindern – wenn es ihm gerade in den Kram passt…
Und nachts schläft er einfach weiter, weil Mama ja sowieso wach ist zum Stillen – da kann sie doch auch gleich die Windeln wechseln…
Und dann, der Gipfel des Ganzen – er lässt sich auch noch dafür feiern, was für ein heldenhafter Vater er doch ist!

Und wenn ich dann mal so richtig, richtig sauer bin, weil ich es so richtig unfair finde

– Papa kann sich das nur erlauben, weil Mama es möglich macht!!! –

dann frage ich mich:

Was wäre, wenn die Mama es genauso machen würde?

Und ich bin mir sicher, den allermeisten Mamas (und nicht nur denen) kommen nun zuallererst Schreckensszenarien in den Sinn:

Schreiende, heulende Kinder in überquellenden Windeln inmitten eines Bergs aus Spielzeug und Müll, übermüdete Kinder mitten in der Nacht vorm Fernseher, Baby allein zu Hause – Oh mein Gott, das können wir Mamas doch nicht zulassen!

Seien wir doch mal ganz ehrlich:
Es würde gar nicht passieren.

Auch Papas sind keine Monster – sie machen es nur anders.

Die allermeisten der oben beschriebenen Papas würden durchaus die Windel wechseln – wenn Mama es WIRKLICH nicht macht.
Sie würden nicht nur Mc Doof füttern – oder Tiefkühlpizza.
Sie würden spätestens dann Ordnung schaffen, wenn sie nirgends mehr treten können, den Geschirrspüler oder die Waschmaschine anschmeißen, wenn nichts Sauberes mehr da ist und irgendwann auch auf die Suche nach dem Staubsauger gehen. (Und vielleicht merkst Du gerade, dass Dein eigenes Papa-Exemplar sooo schlimm dann doch nicht ist. 😉 )
Oder sie würden ihre eigene Mama, Kollegin oder Nachbarin um Hilfe bitten (auch das ist eine Form, die Verantwortung den Kindern gegenüber zu übernehmen!) – aber dass die Kinder wirklich verkommen, ist unwahrscheinlich.

Noch viel wahrscheinlicher ist aber, dass wir es gar nicht über unser Mutterherz bringen, das überhaupt erst herauszufordern. Oder kannst Du seelenruhig nachts weiterschlafen, während Dein Kind weint?

Bleibt also der letzte Punkt:

Was, wenn wir Mamas uns genauso für unsere Heldentaten feiern würden?

Warum sollen wir dem Papa nachmachen wollen, was wir weder gut finden noch können?
Warum fokussieren wir uns nicht lieber an dieser Stelle auf das Großartige und feiern uns auch einmal so wie sie für unsere Heldentaten?

Wenn wir uns für jede Stunde der Schwangerschaft (und Stillzeit) so feiern lassen würden, wie die Papas sich für die Stunden der Geburt, was dann?
Wenn wir uns für jede Mahlzeit, die wir unseren Kindern zaubern, so feiern würden wie die Papas, was dann?
Wenn wir jede einzelne gewechselte Windel genau so feiern würden, wie der Papa seine, was dann?
Wenn wir uns für jeden Einkauf so feiern würden wie die Papas, was dann?
Wenn wir uns für jedes Spielen, Trösten, Kuscheln und Toben mit unseren Kindern so feiern würden wie die Papas – weil wir uns die Zeit dafür genauso nehmen müssen, was dann?

Spürst Du, was sich gerade verändert?

Vielleicht antwortet Dein Verstand jetzt noch, dass das doch Quatsch ist – dass das doch selbstverständlich ist und kein Grund zum Feiern, oder dass für so viel Feierei gar keine Zeit bleibt. 😉

Aber hey – stell es Dir vor!

Was wäre dann?
Wir hätten dann lauter stolze, aufrechte und glückliche Mamas!

Wir würden endlich selbst anerkennen, was wir alles leisten.
Wir würden endlich selbst wertschätzen, was unser Körper alles kann: Ich stille voll und mein Zwergi ist jetzt 4 Monate alt. Das sind über 7kg Wunder, von denen jede einzelne Zelle durch meinen Körper entstanden ist! Jede! einzelne! Zelle! allein! durch! mich!
Wir würden endlich aufhören, alles für selbstverständlich zu halten, was wir tun und sind.
Wir würden endlich aufhören, uns klein zu machen, nur weil wir für den selbstgekochten Brei die Bio-Karotten, die wir im Garten anbauen, ausnahmsweise mit Leitungswasser statt mit Regenwasser gießen.
Wir würden endlich aufhören, ein schlechtes Gewissen zu haben, dass wir neben zwei Kindern, drei Haustieren, Haus, Garten und Job nicht auch noch die kranke Schwiegermutter pflegen. (Übertrieben? Leider nicht – Ihr wisst, was ich meine.)
Wir würden uns endlich Zeit zugestehen, gut für uns selbst zu sorgen!
Kurz: Wir würden endlich selbst erkennen:

Wir Mütter sind großartig!

Außerdem hätten wir dann viel mehr Freude an dem, was wir so tun. Und wären viel entspannter dabei.

Was für ein Segen für die ganze Familie!

Und ganz nebenbei wäre auch für den Rest der Welt endlich sichtbar, was wir alles sind und tun!
Und die Papas? Die hätten plötzlich auch eine Chance, uns für all das wertzuschätzen, anzuerkennen, zu feiern – stolz auf uns zu sein und uns mehr in allem zu unterstützen – was sie vorher schlicht nicht sehen konnten. Weil wir selbst es nicht gezeigt haben!

Bisher! Denn wir wären ja verrückt, uns von diesen heldenhaften Papas nicht eine Scheibe abzuschneiden! Oder?

Klingt ja gut, aber Du zweifelst daran, dass das geht?

Dann schau es Dir doch einfach bei einem passenden Papa ab – Vorbilder gibt es da reichlich. Oder, noch besser: Frag ihn, wie es geht! Vielleicht wird er sich wundern, vielleicht auch keine Antwort haben, weil er es für selbstverständlich hält. Aber auch diese Papas verdienen ehrliche Anerkennung!

Und ja, sie sind wirklich verkannte Helden, die so Großartiges können, was wir noch von ihnen lernen dürfen:

Sich selbst für ihre Leistung feiern – ohne dafür perfekt sein zu müssen.
Einfach mal den leichten Weg wählen.
Zuallererst für das eigene Wohlergehen sorgen!
Darin sind die zugehörigen Mamas noch nicht so gut, stimmt’s?

Aber zum Glück können wir uns alle jederzeit neu entscheiden:
Perfekt oder lieber großartig?

Ich wähle ab sofort großartig – und Du?

Und ich finde, das schreit nach einer Challenge. Einfach mal gemeinsam anfangen, ausprobieren und üben.
Am 15.10. geht es los und hier ist der Link. 🙂
Eine passende Facebookgruppe habe ich gerade gegründet – hier bist Du herzlich willkommen!

Ansonsten nicht vergessen:

Ich bin großartig und Du bist es auch – und der Papa auch – wir sehen es nur noch nicht immer!

Mamas Winkelblicke: Wenn „geht nicht“ nicht mehr geht – Neuausrichtung des Blogs

Wenn nur ein einziger Mensch es schafft, trotz schwieriger Umstände glücklich zu sein – warum sollte es dann für Dich nicht auch möglich sein?

Die Frage ist nicht ob, sondern wie!

Und genau darum wird es hier auf dem Blog in Zukunft gehen.
Ganz praktisch zum selbst ausprobieren.

Für alle Mamas, die nicht nur für, sondern mit ihren Kindern glücklich sein möchten.

Vor knapp drei Monaten, pünktlich zum Muttertag, hat mein Leben eine ganz neue Dimension bekommen: Ich bin Mutter geworden.
Und so riesig meine Freude über die Schwangerschaft und die Vorfreude auf das Baby war, so gut kann ich mich auch noch an die eine Woche gegen Ende der Schwangerschaft erinnern, als mir plötzlich bewusst wurde, was da eigentlich auf mich zukommt: Eine Wende um 180 Grad, von der ich nur weiß, dass sie stattfinden wird. Nicht wann, nicht wie. Nur, dass sie unwiderruflich für den Rest meines Lebens ist und dass ich absolut keine Kontrolle darüber habe. Uff. Panik!

Heute weiß ich:

Mamas sind die stärksten Menschen der Welt

gnadenlos unterschätzt und verkannt – vor allem von sich selbst.
Ich finde es so schade zu erleben, wie viele Frauen sich im Mamasein auflösen, Großartiges leisten und trotzdem im Gefühl stecken bleiben, es nicht gut genug zu machen. Alles versucht zu haben, aber nichts ändern zu können. Und eigentlich auch keine Kraft (mehr) zu haben, aber „es muss ja“. Das macht doch keinen Spaß!

Liebe Mami, „es muss“ überhaupt nichts, Du bist wundervoll, unglaublich stark und Du kannst immer etwas ändern!

Ich weiß jetzt noch klarer als vorher:

Die Perspektive macht den größten Unterschied

und ich habe immer die Wahl. Nicht unbedingt, wie eine Situation ist oder wie eine Veränderung ausgeht, aber mindestens, ob ich mich dagegen wehre oder das beste daraus mache. Ob ich mich auf die Katastrophen fokussiere („Ab jetzt wird es nie wieder besser – nur anders!“), mein Leben von Ängsten bestimmen lasse („Aber funktioniert das denn mit Kind?“) und mich immer nur damit beschäftige, was gerade alles noch nicht oder nicht mehr möglich ist. Oder ob ich offen auf das zugehe, was da kommt. Ausprobiere, was mit Kind möglich ist, die kleinen und großen Momente genieße, die gerade jetzt da sind und ganz bewusst an den Herausforderungen wachse.
Ob ich die Verantwortung an die Situation und alle anderen abgebe und daran verzweifle, dass sie nichts ändern, oder ob ich schaue, wo ich selbst doch noch Möglichketen habe:

Ich habe mich entschieden, mit Kind glücklich zu sein

Das bedeutet, diesen neuen Menschen in mein Leben zu integrieren. Genau so, wie er ist – und genau so, wie ich bin! Das erfordert die Bereitschaft zur Veränderung. Immer und immer wieder. Den Mut, mich ganz und gar einzulassen, Unbekanntes zu wagen. Durch alle Ängste hindurch. Und die Neugierde, immer wieder hinzugucken, wer dieses kleine Wunder Mensch von sich aus schon ist.

Und es erfordert die Klarheit, wer ich selbst überhaupt bin, was mir wichtig ist und was ich mir vom Leben wünsche. Denn ich bin nicht nur Mutter. Und

Wie könnte ich eine gute Mutter sein, wenn es mir selbst nicht gut geht?

Dafür habe ich in den letzten 12 Wochen schon unzählige Male meine Prioritäten umsortiert und werde das sicherlich noch öfter tun.
Wenn ich bereit bin, das alte Leben loszulassen, den Anspruch, perfekt sein zu müssen (oder auch nur zu können), relativiere und mich auf das konzentriere, was mir und meinem Zwergi wirklich wichtig ist, dann entstehen ganz neue Möglichkeiten:

Ich erschaffe mir das Leben, das ich mir wünsche

und das in Freude und Leichtigkeit. Auch das erlebe ich bereits.

Nein, damit will ich nicht behaupten, dass es keine anstrengenden Momente gibt. Keine Grenzsituationen, in denen ich nicht weiß, wie ich zurecht komme, und dann stinksauer auf den Papa bin, der sich gerade nicht zuständig fühlt, um nur ja nicht meine eigene Verzweiflung und Unzulänglichkeit fühlen zu müssen.
Damit will ich nur sagen, dass niemand auf der Welt mir Stress oder Druck machen kann – außer mir selbst. Dass ich nicht in diesen Gefühlen hängen bleiben muss. Und dass nicht jemand anders oder die Situation sich ändern muss, damit etwas besser werden kann. Ich selbst kann den Anfang machen. Immer.

Was sich katastrophal anfühlt, ist noch lange keine Katastrophe!

Und selbst Katastrophen lassen sich meistern.
Damit will ich sagen, dass es immer einen Weg gibt – auch wenn ich ihn gerade nicht sehen kann. Weil „geht nicht“ einfach als Option nicht in Frage kommt, wenn außer mir niemand da ist. Und weil auch das eben nicht selbstverständlich ist.

Für Dich gilt das alles nicht, weil… ?

Das stimmt nur, solange Du es selbst glaubst. Ich werde hier kein Wettpinkeln veranstalten, wessen Situation schwieriger ist, denn mich im Drama zu suhlen ist kontraproduktiv. Außerdem spielt es überhaupt keine Rolle. Wenn nur ein einziger Mensch es schafft, trotz schwieriger Umstände glücklich zu sein – warum sollte es dann für Dich nicht auch möglich sein?

Die Frage ist nicht ob, sondern wie!

Und genau darum wird es hier auf dem Blog in Zukunft gehen.

Darum, was Veränderungen wirklich brauchen.
Darum, wo Anerkennung herkommt.
Darum, welchen riesigen Unterschied es macht, welche Fragen ich mir stelle.
Und darum, was meine Beziehung zu meinem Kind mit meiner Beziehung zu mir selbst und zu meinem Leben zu tun hat.
Ganz praktisch zum selbst ausprobieren.

Für alle Mamas, die nicht nur für, sondern mit ihren Kindern glücklich sein möchten.

Und natürlich auch für neugierige Papas und alle anderen Interessierten.

Was bleibt, ist der positive Fokus – ohne Schönreden oder Ignorieren der Umstände:
Weg von „Warum habe ich es so schwer?“ hin zu „Was wünsche ich mir vom Leben und wie kann es möglich werden?“

Ich freue mich darauf – bist Du dabei?

Blogparade: Mein bestes Jahr 2018 – Mehr Träume wagen!

Kaum war mein Blog auf der Welt, stolperte ich über einen Aufruf zu einer Blogparade.
Der Titel „mehr Träume wagen“ schien wie für mich gemacht, und schon wenige Tage später hatte ich das zugehörige Buch zu Hause…

 

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2017 geht langsam zu Ende. Es war für mich ein Jahr voller Veränderungen, schmerzhafter Heilungsprozesse, wundervoller Erfahrungen und tiefgreifender persönlicher Entwicklung. Und ein Jahr, in dem ich mir erstmals als Erwachsene erlaubt habe, einen Traum zu verwirklichen: Den Start dieses Blogs. Genau so, wie ich bin. Mit genau meinen Themen. Mich einfach so der Welt zu zeigen. Hui.

Und die Resonanz ist wundervoll!

Und dann sah ich einen Aufruf zu dieser Blogparade. Wenn die nicht passt?!

Mehr Träume wagen!

Genau – wenn ein Traum sich erfüllen kann, dann auch weitere. Und warum nicht auch ein richtig großer? Oder gleich alle?

Mein bestes Jahr 2018

Ja, warum nicht? Ich bin auf einem so guten Weg. Das neue Jahr wird das bisher beste – und so kann es dann Jahr für Jahr weitergehen. Aber gern!

Und die Zeit zwischen den Jahren eignet sich doch hervorragend zur Reflektion: Das alte Jahr noch einmal Revue passieren lassen, Gutes mitnehmen, Unerfreuliches zurücklassen und daraus lernen, den aktuellen Stand einschätzen und festlegen, wohin es im nächsten Jahr gehen soll. Wobei ich da weniger an gute Vorsätze der Kategorie „mehr Sport treiben“ denke als vielmehr an die wirklich bedeutenden Fragen: Was möchte ich eigentlich von diesem Leben? Was wünsche ich mir wirklich von Herzen für das neue Jahr? Welche Träume habe ich, wie könnten sie in der Wirklichkeit aussehen? Und, wenn ich ganz ehrlich bin, taucht an dieser Stelle für mich auch die Frage auf: Warum habe ich eigentlich bisher so wenig dafür getan?

Mein bestes Jahr 2018 -Life&Work-Book Fächer1

Zur Blogparade gehören auch alle Bilder und Übungen in diesem Artikel, die mir dafür zur Verfügung gestellt wurden, sowie das Life&Work-Book von Susanne Pillokat-Tangen und Nicole Frenken, das genau diesen Ansatz unterstützt: In zahlreichen Übungen wird aus ganz verschiedenen bekannten und unbekannten Blickwinkeln auf das eigene Leben geschaut. Dazwischen finden sich Inspirationstexte und „Mutmacher-Portraits“ von Frauen, die (beruflich) ihre Träume bereits leben. Wer bei diesem positiven Fokus bleibt, kann so die harten Zeiten von 2017 als Lernerfahrungen nutzen und die heute festgestellten Mängel als Potentiale für 2018 erkennen. Und schließlich geht es dann an das konkrete Planen.

Der Punkt wird für mich noch herausfordernd, genau wie schon der Ausdruck „Arbeitsbuch“. Mit Jahresplaner. Aber wie war das mit dem positiven Fokus?

Ja, es geht tatsächlich darum, an den eigenen Träumen zu arbeiten. Und sie möglichst konkret in das nächste Jahr einzuplanen.

Im ersten Moment spürte ich einen richtigen Widerstand in mir: Ich soll eine Pflicht aus meinen Träumen machen? Obwohl ich doch so eine Abneigung gegen Pflichten habe? (Mehr dazu hier.) Mache ich mir damit nicht meine eigenen Träume kaputt?
Nein, ganz im Gegenteil. Vielleicht kann ich mich sogar endlich mit meinen Pflichten anfreunden, wenn ich sie bewusst in den Dienst meiner Träume stelle. Alles eine Frage der Perspektive. Was für ein wundervoller Gedanke!

Aus dem Müssen kann ein Wollen werden!

Also gut, los geht’s. Naja, fast.

Jedes Buch ist für mich etwas wirklich Wertvolles. Meine gelesenen Bücher sehen immer noch neu aus. Und selbst Bücher, die ich inhaltlich überhaupt nicht mag, kann ich nur verschenken, nicht wegschmeißen. Und dieses hier ist doch eine tolle Sache. Da soll ich jetzt einfach hineinschreiben?! Noch so ein Widerstand. Obwohl dieses Buch dafür gedacht ist. Obwohl ich es genau dafür geschenkt bekommen habe! Trotzdem…
Aber auch hier konnte ich mir schnell selbst helfen: Es geht hier um meine Träume. Meine. Träume. Und um ihre Erfüllung. Soll die Erfüllung meiner Träume mir wirklich weniger wert sein als dieses Buch?! Autsch. Nein, soll sie nicht. Also los. Wertschätzungshalber mit Füller und Buntstiften. Ich habe meinen Namen eingetragen. Und es fühlte sich gar nicht so schlecht an. 🙂

„Im Aufschreiben liegt Magie“, wie mich schon das Vorwort erinnert. Diese Erfahrung habe ich schon öfter machen können. Was ich aufschreibe, befreit den Kopf, weil ich es aus dem bewussten Denken entlassen kann.
Außerdem ist Aufschreiben ein erster Schritt aus der Virtualität in die Realität. Tinte auf Papier kann ich anfassen, schon das ist mehr als das bloße Luftschloss im Kopf – so einfach ist der erste Schritt gemacht, der Grundstein in der Realität gelegt!
Und noch ein wichtiger Punkt: Aufschreiben klärt. Völlig vage Konstrukte kann ich gar nicht aufschreiben. Und schon habe ich eine erste Antwort auf meine Eingangsfrage, warum ich eigentlich bisher so wenig für meine Träume getan habe: Solange ich nicht weiß, was ich eigentlich will, kann ich auch nichts dafür tun. Weder bewusst noch unbewusst. Und selbst wenn ein Traum vor mir gestanden und mit Erfüllung gewunken hätte – wäre es mir überhaupt aufgefallen, solange ich gar nicht weiß, wie meine Träume überhaupt aussehen?

Schon beim ersten Blättern durch das Arbeitsbuch habe ich mich in zwei Übungen verliebt, die ich hier näher vorstellen möchte:

Bestandsaufnahme

Wie erfüllt fühlt sich eigentlich Dein Leben gerade jetzt in den einzelnen Bereichen an?

Was im ersten Moment nach einer schnell erledigten Aufgabe aussieht – die Bereiche sind vorgegeben und sollen mit Wertigkeiten von 0 bis 5 ausgemalt werden – entfaltet auf den zweiten Blick eine ungeahnte Tiefe. Nicht umsonst geben die Autorinnen an dieser Stelle den Tipp: „Lass Dir Zeit dabei.“

Zum einen ist da die Einteilung in vierzehn Lebensbereiche. So spontan würde ich an drei Bereiche denken: Arbeit, Freizeit und Familie. Auf den zweiten Blick hätte ich die Freizeit noch unterteilt in Hobbys, Freunde und freie Zeit, das wären dann insgesamt fünf. Aber vierzehn? Das Tolle daran: Je mehr Bereiche es gibt, umso weniger Gewicht hat es, selbst wenn ein oder zwei Bereiche völlig unerfüllt sind. Gut, das mal so klar zu sehen!

Zum anderen stellte sich mir beim Ausmalen die Frage, was genau ich denn jetzt eigentlich bewerten will. Die Quantität oder die Qualität? Unterteile ich die Felder, um beides einzutragen ? Oder mische ich? Ich habe mich für letzteres entschieden. Schließlich geht es um die Empfindung, nicht um eine objektive Beurteilung. Und ich habe mir ganz bewusst die Zeit genommen, nicht nur auf das erste spontane Gefühl zu achten, sondern auch einmal ganz ehrlich und konkret hinzuschauen und aufzuschreiben: Was genau fehlt mir denn zur kompletten Erfüllung? So wurde der Mangel gleich noch ganz von allein zum Potenzial: Ich weiß jetzt, was ich wo verändern kann und möchte.
Und das beste: Es sieht viel besser aus, als ich im ersten Moment gedacht hätte!

Dass die Felder in der Grafik alle gleich breit sind, zeigt, dass all diese verschiedenen Bereiche gleichwertig zur Erfüllung meines Lebens beitragen können. Ob das bisher der Fall ist, wird anschließend in der Zusammenfassung eingetragen. Dabei habe ich die Chance genutzt, mich zusätzlich zu fragen, wie wichtig mir persönlich die einzelnen Bereiche denn tatsächlich sind. Sind die mir wichtigsten Bereiche auch am erfülltesten? Sind die zu kurz gekommenen Bereiche eine Investition von mehr Zeit und Aufmerksamkeit wert, oder bedeuten sie mir ohnehin nicht viel? Und welche Dinge lassen sich besonders leicht umsetzen, weil ich bisher einfach nur nie auf die Idee gekommen bin, dass ich mich so einfach (noch) wohler fühlen könnte?

Jetzt bist Du dran, wenn Du möchtest: Hier findest diese Übung zum Ausdrucken.

Erst Träumen, dann Planen

Bei meiner zweiten Lieblingsübung geht es um das Träumen. Und ich mag sie deshalb so, weil sie genau auf den Punkt bringt, was für mich am Thema so wichtig ist:

Träume brauchen Raum.

Hier bekommen sie gleich zwei Seiten. Auf der ersten Seite ist Platz für alle Wünsche und Träume für 2018. Auch für die großen und geheimen.

Der Clou ist aber Seite 2: Mach die Übung noch mal. Und dieses Mal bitte ohne Selbstbegrenzung.

Wow. Meine Ausgangsfrage war, warum wir so wenig für unsere Träume tun. Den ersten Punkt (fehlende Klarheit) hatte ich schon entdeckt – hier versteckt sich der Rest der Antwort:

Wir begrenzen uns selbst. Aus Angst vor Enttäuschung beschäftigen wir uns gar nicht erst mit unseren Sehnsüchten – wie soll Klarheit dann überhaupt entstehen?

Oder aber wir begrenzen uns durch äußere Umstände: Keine Zeit, kein Geld, der andere macht bestimmt nicht mit… – Moment mal. Hier geht es doch um das Träumen! Wenn wir schon im Denken nicht über diese Grenzen hinauskommen, wie soll es denn je im Handeln möglich sein?

Das Schöne ist: Auf der anderen Seite dieser Grenzen liegt nicht nur Freiheit, sondern auch Klarheit und Begeisterung! Mit dieser Klarheit sind einige Aspekte sogar wieder innerhalb der aktuellen Grenzen erfüllbar. Bzw. werden es jetzt, nachdem sie mir überhaupt bewusst geworden sind. Und die Begeisterung hilft, in die Planung einzusteigen oder andere mitzureißen. Nach dieser Übung weiß ich nicht nur, was ich will, sondern vor allem auch warum! Wow, was für eine Kraft!

Und falls sich irgendwo doch noch ein innerer Widerstand versteckt, ist auch dafür eine Seite im Buch vorgesehen.

Ich kann nur sagen: Danke, Susanne und Nicole, für die Blogparade mit diesem traum-haften Thema! Danke für das Buch und die Möglichkeit, meine eigenen Träume mit so vielen kleinen Tricks zu entdecken, aus so vielen Blickwinkeln zu betrachten und schließlich so detailliert ausarbeiten und planen zu können. Ich freue mich auf die Zeit zwischen den Jahren, wenn ich die restlichen Seiten bei Plätzchen und Cappuccino fülle. Denn es fühlt sich tatsächlich nicht nach Arbeit an, wenn ich mir nicht gerade einen festen Zeitpunkt dafür aufzwinge. Und ich freue mich auf das neue Jahr, wenn die Träume dann nach und nach wahr werden. 🙂 Vielleicht gibt es ja im Advent wieder eine Blogparade, bei der wir über die Ergebnisse berichten? 😉

Morgen findest Du Artikel dieser Blogparade bei Kristina Mohr und Shivani Vogt.
Die Beiträge zum Business-Book für selbständige Frauen schreiben heute Monika Firgau und Elke Janßen.

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Wenn Du Lust hast, Dein bestes Jahr 2018 samt Deiner kleinen und großen Träume mit dem vorgestellten Buch zu planen, kannst Du es hier bestellen. Außerdem kannst Du Dich dort mittlerweile für die Ausgabe 2019 vormerken lassen.

Ich wüsste da auch zwei Freundinnen, für die das ein tolles Weihnachtsgeschenk wäre…

Ob mit oder ohne Buch: Ich wünsche Dir genügend Zeit zum Träumen! Ich werde sie mir nehmen – für ein noch erfüllteres Jahr 2018!

 

Dürfen und Müssen – zwei kleine Worte mit großer Macht

Ein Zwang kann ebenso ausbremsen wie eine fehlende Erlaubnis.
Und endlich erlebe ich die Lösung als so einfach, wie die Wörter klein sind…

Ein äußerlicher (oder innerer) Zwang kann ebenso ausbremsen wie eine fehlende innere Erlaubnis. Das ist mir schon häufiger aufgefallen. Seit Jahren beschäftige ich mich im Grunde durchgehend damit, nicht zu müssen. Und seit einigen Wochen nun immer wieder auch damit, mir innerlich mehr und mehr zu erlauben.
Wie ähnlich sich beide Situationen sind und wie einfach die Lösung im Grunde sein kann, überrascht mich nun aber doch.

 

Wenn das Dürfen zu klein ist

Neulich hatte ich ein sehr erhellendes Erlebnis mit einer Freundin.

Ich war sauer und habe ihr über den Grund berichtet. Und dass ich unglaublich froh bin, Wut und Ärger überhaupt mal wieder wahrzunehmen. Die beiden Gefühle hatte ich innerlich so verurteilt, dass sie sich oft schon gar nicht mehr bis in mein Bewusstsein getraut hatten. Nun durften sie mal wieder. Und ich war froh. Froh, die Wut im Bauch zu fühlen, die ich als Zeichen von Lebendigkeit empfunden habe. Froh, die Energie zu spüren, die damit verbunden ist – und die nötig ist, um eine Veränderung initiieren zu können.

Und sie? Zählte original alles das auf, was ich mir sonst immer selbst gesagt habe: Ärger ist ungesund, wütend sein bringt nichts, Du musst das loslassen. Einschließlich diverser Vorschläge, wie das geht. Super lieb gemeint, keine Frage. Und auch verständnisvoll gegenüber der Tatsache, dass ich wütend war (sie sah die Situation sogar als noch ärgerlicher an als ich). Und trotzdem – die Wut sollte weg. Echt jetzt?

Hast Du Dich schon mal aufgeregt und Dir dann sagen lassen, Du sollst Dich nicht so aufregen? Und, was ist passiert?

Richtig, ich habe mich noch mehr aufgeregt! Allerdings erst im dritten Schritt. Der erste war Irritation. Der zweite Ratlosigkeit. Warum gibt sie mir Tipps, die Wut zu beseitigen? Ich hatte ihr doch gerade ausdrücklich gesagt, wie sehr ich mich darüber freue, sie zu fühlen? Nach dem Treffen schickte sie mir sogar noch eine WhatsApp mit einem weiteren Loslassritual. Danke, aber GRRR! Hat sie mir nicht zugehört? Warum hat sie mich dann nicht verstanden?

Da ging mir ein Licht auf über das Missverständnis:

Ich wollte nicht sauer sein, ich wollte sauer sein dürfen!

Und mit dieser Mitteilung konnten wir das Gespräch erfolgreich beenden und die Situation war gelöst. Wut und Ärger verpufften gleich mit.

So einfach – und doch so kompliziert. Denn ich glaube, genau dieses Missverständnis ist es häufig, mit dem so mancher sich selbst im Weg steht: Weil wir wissen (oder gehört haben), dass ein Festhalten nicht gut ist, konzentrieren wir uns sofort auf das Loswerden. Dass das aber nur ein Gegenankämpfen ist, das genau das Gegenteil bewirkt, nämlich ein Bleiben oder Verstärken der Gefühle, können wir in dem Moment gar nicht logisch erfassen (Was schlecht ist, muss doch weg!).

Und dabei haben wir nur den einen Zwischenschritt vergessen, der das Loslassen ganz von allein bewirkt: Annehmen, was ist, es für den einen Moment da sein lassen… (Mehr dazu findest Du in diesem Artikel.)

 

Wenn das Müssen zu groß ist

Auf das gleiche Prinzip bin ich heute gestoßen, als ich mich an das Thema Aufräumen in meiner Kindheit erinnerte. Was nicht so schrecklich schwierig ist, denn Aufräumen war immer Thema. 😉

Ich weiß noch genau, dass ich eines Tages meine Mutter um ein Experiment gebeten habe. Ich war vielleicht 13 oder 14 und hatte die Ahnung, dass ich sehr wohl aufräumen würde, wenn ich mit dem Thema nur endlich mal in Ruhe gelassen würde. Denn ich merkte, wie mich die Unordnung selbst störte, wie aber auch mit jeder Ermahnung meiner Mutter die Motivation zum Aufräumen abnahm. Also: Sie ließ sich darauf ein, mich das versuchen zu lassen. Mit der Betonung auf „versuchen“, denn äußerlich ist das Experiment gescheitert. Innerlich jedoch nicht. Am ersten Tag war ich einfach nur froh, endlich mal meine Ruhe vor diesem leidigen Thema zu haben. Am zweiten Tag hatte ich keine Zeit. Am dritten Tag spürte ich richtig, wie das Aufräumen dran war. Voller Freude, recht zu haben, voller Motivation, Ordnung zu schaffen – und nach dem Abendbrot hatte ich auch Zeit, da sollte es losgehen.

Tja, beim Abendbrot war die Geduld meiner Mutter erschöpft. Das Gemecker ging wieder los, meine Motivation brach zusammen, das entzogene Vertrauen hat mich tief getroffen: „Du hast es nur gesagt, aber passiert ist ja nichts, wie lange soll ich denn noch warten?“ Eine Woche hatte ich erbeten, zwei Tage bekommen – genau einen halben Tag zu wenig. Oder auch nur eine halbe Stunde. Noch heute könnte ich heulen bei der Erinnerung! Ich habe ihr ganz klar gesagt, was innerlich passiert war, dass ich gerade soweit war, anfangen zu wollen – „Dann mach es doch jetzt!“

Finde den Fehler.
Sie hatte es leider nicht verstanden.

Ich habe diese Geschichte zwar nie vergessen, aber bis heute auch noch nie so klar erkannt, worum es wirklich ging:

Ich habe nicht das Machen verweigert, sondern das Müssen.

Und nun bin ich gespannt, wie es weitergeht.

Dass ich allergisch auf „Müssen“ reagiere, weiß ich schon länger. Deshalb schreibe ich auch schon lange keine To-Do-Listen mehr – die erhöhen nämlich nur die Wahrscheinlichkeit, dass ich die Punkte darauf nicht mache.
Vertrauen hilft ganz gut, auch wenn ich oft im letzten Moment wieder in Zweifel gerate – und so die Geschichte von damals selbst wiederhole.

Das Müssen permanent zu verweigern kostet eine Menge Energie. Und es ist nicht mal mehr eine Mutter da, der ich beweisen könnte, dass sie mir vertrauen kann. Also kann ich das Ganze auch aufgeben…

Wenn ich also das nächste Mal feststelle, dass ich mich gegen etwas sträube, dann werde ich mich selbst fragen:

„Willst Du nicht machen oder willst Du nicht müssen?“

Und schon bin ich wieder in der liebevollen (Selbst-)Annahme.
Also wird es funktionieren. 🙂
Ich bin gespannt.

Machst Du mit?

 

Hier noch einmal zum Nachlesen die Links zum ausführlichen Artikel über die wunderbare Wirkung liebevoller Selbstannahme und darüber, was ich praktisch damit meine.

Mehr als umhauen kann es mich nicht – gelassen durch die Krise

Gerade hatte ich meine Texte über liebevolle Selbstannahme geschrieben, da servierte mir mein Leben die Meisterprüfung.
Mithilfe eines zentralen Gedankens habe ich sie bestanden.

Gerade hatte ich meine Texte über liebevolle Selbstannahme geschrieben, da servierte mir mein Leben die Meisterprüfung.

Ich bin seit drei Wochen nicht zum Schreiben gekommen, weil ich so richtig im Quark sitze. Mit freundlichem Gruß an die Depression. Und das Leben geht weiter. Mit mir. Weil mir ein sehr hilfreicher Gedanke kam, der innerhalb von 24 Stunden die große Katastrophe in eine bewältigbare Herausforderung verwandelt hat:

Mehr als umhauen kann es mich nicht.

Aber von vorne.

Es kamen zwei riesige Baustellen in verschiedenen Lebensbereichen zusammen. Dazu zwei Menschen im Freundeskreis, zu denen ich in engem Kontakt stehe, mit ebenfalls riesigen Baustellen. Und zwei weitere mit andauernden Großbaustellen. Daneben der übliche alltägliche Wahnsinn des Lebens. 😉 Und weil das noch nicht reicht, steckte mein Verlängerungsantrag für die Psychotherapie in der bürokratischen Warteschleife. Wochen-, nein, monatelang. Wäre ja auch zu einfach, in der härtesten Zeit einfache Unterstützung zu haben. Ach, und dann sind da ja auch noch die Depressionen…

Riesige Baustelle heißt: alltagsverändernd, möglicherweise lebenslang. Genauer möchte ich das gar nicht ausführen, nicht zuletzt, weil es kaum eine Rolle spielt. Denn auch was sich ’nur‘ subjektiv schlimm anfühlt, ist eben erstmal schlimm. Aber das ist ein eigenes Thema.

Jedenfalls kam viel zusammen, gefühlt zu viel. Drei freie Tage brachten keine Besserung und als ich das lange geplante und herbeigesehnte Wochenende komplett absagen musste, kam die Verzweiflung vorbei: Was sagen meine Tanzpartner, die gerade für die neuen Kurse bezahlt haben, wenn ich nun ausfalle? Was ist mit dem Bekannten, dem ich versprochen habe, ihn bei der Abiturvorbereitung zu unterstützen? Und wie um alles in der Welt bekomme ich mein Laub gefegt (nein, verdammt, das geht eben nicht „mal eben“!)?
Ok, ich sollte mich beim nächsten Mal so früh wie möglich um einen Klinikaufenthalt kümmern, also wohl jetzt. Die Vorstellung, evtl. über Weihnachten in einer Klinik zu verbringen, weit weg von jedem, der mich besuchen könnte, war nicht besonders hilfreich. Ebenso wenig der Depressionen-Schnelltest auf der Klinikhomepage. Ich hatte schon im Zweifelsfall immer die schwächere Antwort gegeben, trotzdem: Schwere Depressionen.
Wenn ich ehrlich bin, hätte ich das vorher wissen können, ich wollte es bloß nicht sehen. Und nun?

Die Meisterprüfung in liebevoller Selbstannahme

Tja, dann ist das jetzt eben so. Ich stecke mitten in den schönsten Depressionen und gerade geht überhaupt nichts. Machen ebenso wenig wie Schlafen. Na und? Was soll schon passieren?

Mehr als umhauen kann das Ganze mich doch nicht.

Und im Liegen klappt Erholen sogar viel besser. 😉 Panik hilft mir auch nicht weiter. Aber die Werkzeuge auszupacken, die ich in der Vergangenheit zusammengesammelt und erfolgreich getestet habe. Also los:

1. Vertrauen in mich selbst

Ich kann inzwischen recht sicher einschätzen, wie weit meine Kräfte reichen. Wenn ich also das Tanzen und Abi-Vorbereiten zugesagt habe, dann stehen die Chancen sehr gut, dass ich das auch schaffe. Nur eben diese Woche nicht. Wenn jetzt Absagen dran ist, ist das eben so, das geht auch wieder vorbei. Ohne Druck noch schneller.

2. Liebevolles Verständnis

Selbst wenn ich es nicht schaffen sollte: Ich habe besten Wissens und Gewissens zugesagt. Dass sich die Situation geändert hat, habe ich nicht geplant oder gewollt. Also habe ich mir nichts vorzuwerfen – das würde niemandem helfen.

3. Das Beste daraus machen

Ich kann ehrlich zu den Betroffenen sein – so mache ich es zumindest nicht noch schlimmer. Lieber sage ich das Lern-Treffen ab, als unkonzentriert Mist zu erzählen.
Meinem Tanzpartner kann ich zumindest ein freies Wochenende bescheren, statt nach der ersten halben Stunde Training körperlich oder mental zusammenzubrechen.

4. Um Hilfe bitten und Hilfe annehmen

Im Zweifelsfall kann ich einen Bekannten bitten, die Abiturvorbereitung zu unterstützen.
Als ich meinen Nachbarn beim Laubpusten sah, bin ich unter Tränen raus zu ihm. Es ist mir unglaublich schwergefallen, ihn zu fragen, ob er das für mich mit machen würde. Schließlich kann ich mich in absehbarer Zeit nicht revanchieren und er ist um die 70… Aber: Ich habe gefragt!
Außerdem habe ich beim Psychiater nicht erst wochenlang auf einen Termin warten müssen, sondern wurde nach einer Woche zwischengeschoben, um eine Einweisung zu bekommen.

5. Das Außen ist mein Spiegel

Ich habe in der verzweifelten Nacht nach dem Testergebnis einer Reihe von Freunden geschrieben, wie es mir gerade geht. Resonanz: Keine. Gar keine.
Statt noch mehr zu verzweifeln, habe ich mich daran erinnert, dass hier nur ein Spiegeln stattfindet: Die Tatsache, dass ich richtig dick in der Depression sitze, hatte ich ja bis zu dem Moment selbst völlig ignoriert.

Und tatsächlich: Mit jedem Schritt in die Annahme wuchs auch die äußere Resonanz:
Der Nachbar kümmert sich nicht nur um mein Laub, ich soll mich auch jederzeit melden, wenn ich Hilfe zum Einkaufen brauche. Dann fährt er mich. Extra. Nicht nur, wenn er sowieso selbst los muss.
Mein Tanzpartner war zwar enttäuscht über das abgesagte Trainingswochenende, hat mich stattdessen aber zum Kaffeetrinken eingeladen. Wir hatten ein langes, tolles Gespräch.
Bei einer Nachbarin war ich am nächsten Abend zu Besuch, ein Freund kam am folgenden Tag, eine Freundin rief an, zwei andere schrieben.
Und viele, viele Bekannte fragen, wie es mir geht und was es mit den Terminen auf sich hat. So viel ehrliches Interesse habe ich selten erlebt.

Danke Euch allen! ❤

 

Wenn das die Meisterprüfung in liebevoller Selbstannahme war, kann ich heute sagen: Ich habe bestanden.

Ja, kurzfristig hat die Geschichte mich umgehauen. Ich schlafe und esse noch nicht wieder normal, brauche in manchem Unterstützung und habe heute und morgen zwei heftige Termine vor mir, von denen der eine hoffentlich mein größtes Drama der letzten 14 Jahre endlich zur Ruhe kommen lässt, aber auch eine extreme Weiche für den Rest meines Lebens stellt. Auf den anderen würde wohl jeder lieber verzichten…

Aber ich weiß, dass ich auch das überstehen werde. Warum auch nicht? Nach dem Wochenende stand ich wieder auf beiden Beinen und halte seitdem meine Termine ein. Erschöpft, aber erfolgreich. Schlimmstenfalls haut es mich eben noch mal um, na und? Dann stehe ich eben wieder auf, sobald es Zeit ist.

Das ist Leben. Und ich bin mittendrin.

Und dafür bin ich unendlich dankbar. Denn es ist das erste Mal, dass ich das so entspannt sehen kann. Und mich nicht allein fühle, weil ich mein Umfeld nicht mehr ausschließe.

Und dabei ist es eigentlich so einfach:

Erlaubst Du Dir, dass es Dich auch mal umhauen darf?

Auf wen hörst Du?

Zum Alltag mit Depressionen gehören viele innere und äußere Stimmen, die angeblich alle nur mein Bestes wollen. Aber welche helfen wirklich?

Diesen Text habe ich im September geschrieben. Er war einer meiner Beiträge für Aparecida Teodoros Ausstellung über Depressionen im UM-perfekten Raum in Kiel vom 08.-10.09.2017 anlässlich des Welttags der Suizidprävention. Die Darstellungsweise ist inspiriert durch das Theaterstück „Symbiosis“, das wir dort aufgeführt haben.

 

Auf wen hörst Du?

„Stell dich nicht so an!“

„Du brauchst doch bloß einen Tritt in den Hintern, faule Socke!“

„Du bist doch noch so jung!“

„Jedem geht es mal schlecht.“

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

„Mach Sport, geh unter Leute!“

„Du musst nur wollen!“

„Benimm dich wie ein Erwachsener!“

„Du hast doch nichts.“

„Das kann doch gar nicht sein!“

„Anderen geht es noch viel schlechter!“

„Mach doch einfach mal … !“

„Such dir eine sinnvolle Aufgabe, dann geht es dir gleich viel besser!“

„Aber du lächelst doch immer?“

Der Rest der Welt – und ich selbst

 

„Kämpf. Nimm Tabletten. Setz dir kleine Ziele, arbeite an dir und deinem Selbstwertgefühl! MACH!“

Die Therapie

 

„Kannst Du wirklich nicht arbeiten?“

Das Sozialamt

 

„Vergiss es. Dich versteht niemand. Nicht einmal du selbst!“

Die Einsamkeit

 

„Das Leben findet ohne Dich statt.“

Die Isolation

 

„Du bist nicht gut genug. Du bist es gar nicht wert. Du hast nichts Besseres verdient.“

Die Selbstverurteilung

 

„Du bist eine Belastung für alle! Wag es ja nicht, da auch noch um Hilfe zu bitten!“

Die Depression

 

„Es ist alles zu viel. Du kannst nicht mehr. Gar nicht.“

Die Erschöpfung

 

„Du bist doch längst tot, das ist doch überhaupt kein Leben!“

Der Verstand

 

„Das ist eben dein Schicksal.“

Die Resignation

 

„STOP! Hör auf damit. Die Depression ist ein Teil von Dir, aber Du bist noch mehr! Hör auf, gegen sie und damit gegen dich selbst zu kämpfen. Das spart Energie, von der du sowieso gerade zu wenig hast. Nimm an, was jetzt gerade ist, ohne Kampf, ohne Urteil. Ja, du hast eine Depression. Ja, alles sieht gerade doof aus. Du kannst vieles gerade nicht mehr, das meiste macht keinen Spaß. Aber da ist noch mehr!
Wende den Blick: Was ist genau jetzt möglich? Was tut dir genau jetzt gut? Schau auf das Mögliche, das Schöne, das Liebevolle, so klein es auch sein mag. Nicht, weil du musst. Sondern, weil du es kannst, darfst und möchtest! Wer verbietet dir, mit Depressionen glücklich zu sein? Und wer hat tatsächlich die Macht dazu? NIEMAND außer dir selbst! Also: Erlaube dir, glücklich zu sein. Unabhängig von allem, was war oder ist. Genau dann beginnst du, das Beste aus dem zu machen, was gerade ist. Das nennt sich Leben. LEBE!“

Der Teil von mir, der nicht Depression ist

 

Wem glaubst du?

 

Liebevolle Selbstannahme – der Weg in ein glückliches Leben 2/2

In Teil 1 habe ich beschrieben, dass liebevolle Selbstannahme ein Weg sein kann, mit dem eigenen Leben glücklich(er) zu sein – unabhängig von äußeren Umständen.

Aber was soll das eigentlich sein: liebevolle Selbstannahme? Und vor allem: Wie geht das?

In Teil 1 habe ich beschrieben, dass liebevolle Selbstannahme ein Weg sein kann, mit dem eigenen Leben glücklich(er) zu sein – unabhängig von äußeren Umständen.

Aber was soll das eigentlich sein: liebevolle Selbstannahme? Und vor allem: Wie geht das?

Zunächst einmal habe ich ganz bewusst den Begriff „Weg“ gewählt. Denn liebevolle Selbstannahme lässt sich schlecht von heute auf morgen als Schlüssel zum Glück aus dem Ärmel schütteln ( solltest Du es können, verrate mir bitte, wie es geht! 😉 ). Vielmehr ist es ein Lernprozess, der Übung und Geduld braucht, damit er sich immer weiter automatisiert. Und irgendwann dann so selbstverständlich wird, dass ich nur noch ganz selten zurück in alte Muster rutsche. Und dann aber recht schnell feststelle, dass ich vom Weg abgekommen bin und wie ich darauf zurückkehren kann.

Außerdem ist die liebevolle Selbstannahme ja noch nicht die Erfüllung meiner Wünsche, sondern sie bildet die Basis. Einerseits dafür, nicht am Aktuellen zu verzweifeln. Andererseits dafür, selbstbestimmte Veränderungen einzuleiten, um mich so aktiv auf mein Ziel zuzubewegen. Dann brauche ich nicht mehr darauf zu warten, dass das Leben so wird, wie ich es gern hätte. Sondern ich kann es selbst gestalten.

 

Liebevolle Selbstannahme besteht aus drei Teilen:

1. Selbst

Völlig unabhängig von der einzelnen Situation geht es immer, immer, immer um mich selbst! Und zwar um diejenige, die ich in dem Moment gerade bin. Nicht um irgendein Bild von mir oder um irgendeine Verallgemeinerung, wer ich ‚eigentlich‘ so bin.

Am Anfang hilft mir dafür Achtsamkeit, also die bewusste

Aufmerksamkeit für mich selbst in genau diesem Moment:

Wie fühle ich mich? Was denke ich gerade? Welche Impulse sind in mir?

Ich kann mich selbst beobachten, möglichst passende Begriffe für meine Gefühle suchen. Das hat beim Üben noch einen weiteren Vorteil: Ich bekomme eine Distanz zu meinem Handeln. Ich versinke nicht mehr unmittelbar in meinen Empfindungen und fühle mich hilflos meinen Reaktionen ausgeliefert, sondern stelle fest, dass die nur ein Teil von mir sind, während da noch eine andere Instanz ist, die entscheiden kann.

Und hier taucht auch schon die erste Herausforderung auf: Um mich selbst wahrzunehmen, wie ich gerade bin, brauche ich den

Mut, von meinem idealisierten Selbstbild abzuweichen.

Die meisten von uns haben ein Bild von sich, wie sie „richtig“ sind. Und auf dieses Bild richten sich die eigenen Handlungen aus: Welches Gefühl muss unterdrückt werden, welche Reaktion ist zulässig und wo ist meine Wahrnehmung unlogisch, also ‚falsch‘? Alles, was nicht passt, wird unterdrückt, teilweise schon unbewusst – es gelangt gar nicht erst in meine eigene Wahrnehmung. Weil es ja nicht sein darf. Wenn es nämlich so wäre, müsste ich ja darauf reagieren, um wieder ‚richtig‘ zu werden. Was mir aber gar nicht möglich ist, schließlich kann ich mich nicht zu einem anderen Menschen machen, als ich nun mal bin. Also ist es lieber gar nicht erst da. Verständlich. Nur nicht immer hilfreich.

Um mich dieser Herausforderung stellen zu können, hilft die Erlaubnis aus dem vorigen Artikel:

Ich erlaube mir, in Ordnung zu sein, wie ich gerade bin!

Es geht also um Achtsamkeit: Beobachtung ohne Reaktion – und möglichst ohne Wertung!

2. Annahme

Hier kommt schon der zweite Teil ins Spiel. Annehmen bedeutet nämlich genau das:

Es ist, wie es ist. Ende der Geschichte.

Keine Bewertung, keine Verurteilung, keine Ablehnung. Und weil Annahme so vieles nicht ist, fällt uns die Umsetzung am Anfang so schwer. Wir sind es gewohnt, sofort zu werten und zu urteilen. Uns innerlich gegen Situationen aufzulehnen, die anders sind, als wir sie haben wollen. Bestenfalls generiert das Energie, um etwas zu verändern, dann sind wir auch noch zufrieden. Verschwenden wir aber diese Energie in reiner Ablehnung oder Auflehnung, werden wir nicht nur erschöpft, sondern auch unglücklich oder verzweifelt.

Es heißt, dass der größte Schmerz gar nicht aus der Situation selbst entsteht, sondern erst durch die Ablehnung. Nach langer Übung im Selbstbeobachten kann ich bestätigen: So ist es wirklich.
Deshalb ist Annahme so unglaublich wichtig.

Und wie geht das nun?

„Alles ist gut.“ – So ein Blödsinn!

Und eines der größten Missverständnisse beim Thema Annehmen. Positiv denken ist ja grundsätzlich eine gute Idee. Mir aber etwas einzureden, was nicht stimmt, ist sogar das Gegenteil von Annehmen – nämlich Verdrängen oder Verleugnen. Und das fiel ja in die Liste all der Dinge, die ich nicht mehr will.

Annehmen heißt schlicht, im ersten Moment gar nichts zu tun.
Wenn ich unbedingt etwas tun möchte, um die bisherige Reaktion durch eine hilfreichere zu ersetzen, kann ich mir bewusst sagen: „Es ist jetzt so, und das ist ok!“, oder „Es ist jetzt sowieso, wie es gerade ist, ob es mir passt oder nicht!“

Das bedeutet noch lange nicht, dass es auch so bleiben soll.

Es bedeutet, dass ich darauf verzichte,
etwas ändern zu wollen,
was ich sowieso nicht ändern kann.

Nämlich die Vergangenheit (der Auslöser ist bereits vorbei!), einen anderen Menschen (wenn dessen Verhalten der Auslöser war) oder auch die Gegenwart (meine Gefühle, Gedanken, Impulse, die bereits da sind). Wenn es daran aber sowieso nichts mehr zu ändern gibt, kann ich deutlich freier entscheiden, wie ich denn reagieren möchte. Und mich fragen, was jetzt mir gut tut.
Spannenderweise habe ich oft erlebt, dass ich gar keine großartige Reaktion mehr brauche, wenn ich meinen Gefühlen und Gedanken erst einmal ihren Raum gegeben habe. Denn das war es schon, was sie wollten: ernst genommen werden, also gesehen werden und sein dürfen. Meist ist dafür eine sachliche Äußerung meiner Stimmung völlig ausreichend. Ein einziger Satz. Kein Vorwurf, kein Streit, keine Grundsatzdiskussion. Gar nichts. Ist das nicht herrlich?

Zugegeben, dorthin zu kommen hat mich eine Menge Zeit und viel Übung gekostet. Und nicht zuletzt die Bereitschaft, mich im Nachhinein mit meinen eigenen Themen auseinanderzusetzen, die da in solchen Situationen getriggert (ausgelöst) werden. Habe ich das erfolgreich gemacht, fällt in Zukunft sogar der Auslöser weg – aber das ist wieder ein anderes Thema.

Vielleicht habe ich aber auch so lange gebraucht, weil ich eine wichtige Komponente anfangs völlig vergessen habe:

3. liebevoll

Druck war früher durchaus hilfreich für mich, heute blockiere ich mich damit grundsätzlich selbst. Unbewusst weigere ich mich zu müssen.
Auch für Menschen, die mit Druck gut zurecht kommen, dürfte dennoch die liebevolle Variante wertvoll sein. Schließlich ist das Ziel ja Glücklichsein, nicht nur Funktionieren oder Überleben.

Verständnis und Vertrauen statt Verurteilung und Verbot

Darum geht es.

In einer Situation, die uns nicht gefällt, reagieren wir oft sofort mit Ablehnung und Verurteilung.

So funktioniert unser Unterbewusstsein: Förderliches wird wiederholt, Schädliches vermieden. Das ist im Normalfall auch gut so! Wir können nicht jede kleinste Entscheidung täglich bewusst neu treffen.
Leider berücksichtigt das Unterbewusstsein aber nicht den Kontext: Was in einer Situation funktioniert, kann in einer anderen schaden. So bilden sich im Lauf des Lebens sowohl Vermeidungsstrategien, die gar nicht mehr nötig sind, als auch dysfunktionale Muster: automatische Reaktionen, die im aktuellen Kontext hinderlich sind. Bleibt das alles unbewusst, stehen wir uns oftmals selbst im Weg. Und fühlen uns ausgeliefert, weil wir keinen anderen Weg sehen. Oder verurteilen uns (oder andere) dafür, dass wir schon wieder nicht erreicht haben, was wir eigentlich wollten.

Das Wichtige daran: Das ist völlig normal und verständlich. Und notwendig zum Überleben. Es hat nichts damit zu tun, dass wir doof, unfähig oder gar bösartig sind. Höchstens, dass wir einen sehr ausgeprägten Überlebenswillen haben. Wir können also davon ausgehen, dass jedes Gefühl, jeder Gedanke, jeder Impuls, der in uns entsteht, einen Grund und einen Zweck hat – und uns dienen soll.
Leider sind die sich untereinander nicht immer einig. Dann ist es unsere Aufgabe, bewusst abzuwägen und zu entscheiden. Und das am besten liebevoll.

Daran darf ich mich auch nach langem Üben immer noch wieder erinnern:

Meine Reaktion hat einen guten Grund, sonst wäre sie nicht da!

Selbstverurteilung ist nicht nur wenig hilfreich, sondern sogar unangemessen. – Was jetzt bitte kein weiterer Grund für Verurteilung ist! 😉 Schließlich ist es doch verständlich, dass wir es möglichst gut machen wollen. Darauf darf ich vertrauen, ich brauche mir also nichts zu verbieten.

Um das zu üben hilft es vielleicht, Dir zunächst eine äußere liebevolle Instanz vorzustellen: Deine beste Freundin, der ideale Partner, ein liebevoller Elternteil, der liebe Gott, Dein Schutzengel. Such Dir aus, was für Dich am besten passt.
Diese Instanz hat die Eigenschaft, die für das Liebevolle so wichtig ist:

Sie glaubt an uns und geht davon aus,
dass wir es immer so gut machen, wie wir gerade können.

Auch dann, wenn wir es gerade vergessen haben und an uns selbst (ver-)zweifeln. Dann wird sie uns nicht beschimpfen oder Vorwürfe machen. Sondern sie wird uns daran erinnern, dass unsere Reaktion verständlich ist. Sie wird uns voller Mitgefühl in der Arm nehmen und uns Zeit geben, die Situation und unsere Gefühlsstürme zu verdauen. Und dann ehrlich interessiert fragen: Was möchtest Du jetzt daraus machen?

Wenn wir diese Instanz immer mehr selbst verinnerlichen, wird das Annehmen viel leichter. Denn dann brauchen wir nicht mehr zu sagen „Ja, es ist jetzt so!“, während alles in uns „Nein!“ schreit. Sondern wir können guten Gewissens sagen: „Ja, es ist gerade so – und ich finde es schrecklich!“

 

Zum Abschluss noch etwas praktischer an einem

Beispiel:

Situation: Irgendetwas ist passiert, worüber ich mich ärgere.

Möglichkeit 1: Ich rege mich über den Auslöser auf. Ich wollte mich doch nicht mehr davon ärgern lassen, also ärgere ich mich auch noch über mich selbst. Deshalb ärgere ich mich noch mehr. Und dafür verurteile ich mich. Und weil ich das ja auch nicht mehr wollte, verurteile ich mich auch dafür. Und immer so weiter.
Der ursprüngliche einfache Ärger potenziert sich, ebenso die Selbstverurteilung. Vielleicht projiziere ich die Verurteilung auch auf den Auslöser. Das liegt besonders dann nahe, wenn es eine Person war, deren Verhalten meinen Ärger ausgelöst hat. An der Sache ändert es überhaupt nichts. Der Ärger und die Verurteilung sind schließlich in mir, kosten meine Energie und belasten mich – nicht den anderen.

Möglichkeit 2: Ich reiße mich zusammen und unterdrücke (bewusst oder unbewusst) den Ärger.
Das klappt das eine oder andere Mal, bei jeder Wiederholung wird der ausgelöste Ärger aber anwachsen, bis ich bei Möglichkeit 1 lande. Direkt oder im Nachhinein, wenn die Situation mich doch weiterhin beschäftigt.

Möglichkeit 3: Ich lasse meinem Ärger völlig freien Lauf, heule vor Wut, schreie oder trete den Auslöser zusammen.
Im Nachhinein stelle ich fest, dass das keine gute Idee war – und schon bin ich wieder in der Verurteilungsspirale von Möglichkeit 1.

Möglichkeit 4: Ich nehme wahr, dass ich mich ärgere. (Selbst)
Ich identifiziere Wut und Ablehnung. Ich spüre den Impuls, loszuschreien oder meinem Gegenüber den Hals umzudrehen. Und mich selbst für meine Reaktion zu verurteilen. (Achtsamkeit)
Ich weiß, dass es einen Grund für meinen Ärger gibt, ob ich ihn gerade sehe oder nicht. Ich lasse mich ärgerlich sein und frage mich, welche Reaktion mir jetzt und später gut tun wird. (liebevoll)
Ist niemand sonst beteiligt, stampfe ich vielleicht einmal kräftig mit dem Fuß auf oder fluche. War eine andere Person der Auslöser, kann ich kurzfristig den Raum verlassen oder schlicht aussprechen, dass ich gerade verärgert bin.

Ich nehme also die Tatsache an, dass ich mich ärgere, obwohl ich es nicht möchte.

Und ich kann es äußern, ohne gleich ein riesiges Drama inszenieren zu müssen.

Deshalb macht liebevolle Selbstannahme mein Leben glücklicher: Ich erlaube mir zu sein, wie ich wirklich bin. Also fühle ich mich angenommen. Ich höre auf, mich zu verurteilen. Stattdessen lerne ich meine Reaktionen wertzuschätzen, denn sie zeigen, was mir wichtig ist. Ich brauche nicht mehr zu kämpfen, weder gegen mich, noch gegen andere, noch gegen die Situation. Also werde ich gelassener und entspannter. Und zusätzlich habe ich durch die liebevolle Selbstannahme ein

Werkzeug, das mir ermöglicht,
frei über meine Reaktion zu entscheiden.

Und plötzlich ist Veränderung möglich. Bzw. bereits geschehen. Einfach so.
Und im Außen geschehen Wunder. Ich habe einige erlebt.

Du auch?

Liebevolle Selbstannahme – der Weg in ein glückliches Leben 1/2

Dass Geld, Familie oder Erfolg zwar oft sehnsüchtig erwünschte und auch lohnenswerte Ziele sind, aber keine Garantie zum Glücklichsein, wissen die meisten. Was versprechen wir uns davon, dass wir selbst wider besseren Wissens unbedingt daran festhalten? Um welche Bedürfnisse geht es wirklich?
Und welcher Weg führt sicherer zum Glück?

Dass Geld, Familie oder Erfolg zwar oft sehnsüchtig erwünschte und auch lohnenswerte Ziele sind, aber keine Garantie zum Glücklichsein, wissen die meisten. Aus eigener leidvoller Erfahrung, aus der Beobachtung Angehöriger oder Prominenter oder einfach als Ahnung.

Welche Wünsche stecken dahinter?

Wofür stehen der perfekte Partner, Kinder, Geld, Karriere oder Erfolg wirklich? Was versprechen wir uns davon, dass wir selbst wider besseren Wissens unbedingt daran festhalten?

Auf den ersten Blick: Ein Gefühl von Verbundenheit und Zugehörigkeit, Freiheit und Anerkennung. Verständlich – wer wünscht sich das nicht? Und warum sollten sich diese Wünsche nicht durch Familie, Geld oder Erfolg erfüllen lassen?
Darunter steckt auf den zweiten Blick aber noch etwas anders: Der Wunsch nach

Geborgenheit, Sicherheit und Wertschätzung.

Und dann ist da auch noch das menschliche Bedürfnis nach Autonomie, das spätestens dann leidet, wenn ich glaube, es anderen recht machen zu müssen, damit sie mir diese Wünsche erfüllen. Wer ist schon in der glücklichen Lage, dass der Partner, der Chef, die Kinder, die Bank, die Nachbarn und die Person selbst alle die selben Wünsche an sie haben? Und das dauerhaft. Obwohl Situationen und Menschen sich ändern?

Wohl niemand. Dieser Weg führt also nicht zum Glück. Es sei denn, dass ich auf meine Bedürfnisse von Geborgenheit, Sicherheit und Wertschätzung verzichte. Aber was habe ich dann noch von Familie, Geld und Erfolg? Einen äußeren Anschein, der mich nicht erfüllt.

Ein anderer Weg

Eine bessere Idee ist es, einen anderen Weg zu finden, um die eigentlichen Bedürfnisse zu erfüllen: Geborgenheit, Sicherheit und Wertschätzung.

Auf dem bisherigen Weg waren wir abhängig von äußeren Umständen und bestimmten Personen.
Ich möchte Dich zu einem Gedankenexperiment einladen:

Stell Dir vor, wie es wäre, wenn es Dir überhaupt nichts ausmacht, was die Nachbarn von Dir denken oder die Kollegen über Dich sagen oder ob Dein Chef Dich mag. Wenn Du Dich nicht mehr verstellen, verbiegen oder anpassen musst. Wenn Du zu jeder Zeit wünschen, denken und fühlen darfst, was Du gerade wünschst, denkst oder fühlst. Wenn jede Deiner Entscheidungen, jede Reaktion in Ordnung ist, weil Du damit zwar nicht jeden glücklich machst, aber klar ist, dass es nicht böse gemeint ist. Ohne dass Du Dich erst erklären oder rechtfertigen musst. Wenn Fehler als Teil des Lernprozesses willkommen sind. Wenn die Menschen in Deinem Umfeld Dich bereits kennen, wie Du wirklich bist, und bei Dir sind, weil sie es möchten.

Wie fühlst Du Dich damit? Frei, geborgen, wertgeschätzt?

Die Sicherheit, angenommen zu sein

Das ist es also, was uns glücklich macht. Und wenn wir genau hinschauen, geht es dabei gar nicht mehr um äußere Umstände. Dort steht nicht, dass niemand über uns redet. Dass jeder uns liebt. Dass unser Handeln oder Fühlen immer so ist, wie wir es gern hätten. Auch wenn wir so oft glauben, dass es genau das ist, was wir zum Glücklichsein brauchen. Es geht ’nur‘ um die eigene Überzeugung: Ich darf genau so sein, wie ich bin. Und diese Erlaubnis kann mir auf der ganzen Welt nur ein einziger Mensch geben: Ich selbst. Der Rest der Welt kann mir erzählen, was er will.

Was ich selbst nicht glaube, kann mir niemand beweisen.

Die Erfahrung haben wir bestimmt alle schon mal gemacht, selbst oder mit anderen: Wer sich zu dick findet, glaubt keinem Kompliment über sein Aussehen. Kein Liebesbeweis reicht auf Dauer aus, wenn jemand glaubt, nicht liebenswert zu sein. Wenn ich glaube, einer Angst nicht gewachsen zu sein, werde ich mich der Situation gar nicht erst stellen – sie also garantiert nicht schaffen. Usw. usf.

Und nun?
Ich bin mir sicher: Dieser selbst-sichere Mensch, der sich selbst annimmt, wie er ist, es dann nach außen ausstrahlt und somit auch von seinem Umfeld gespiegelt bekommt, steckt in jedem von uns. Wir haben es nur vergessen. Und manche von uns haben ihn seit vielen, vielen Jahren nicht mehr bemerkt. Dieser Mensch, der in seiner eigenen Mitte ist, mit sich selbst im Reinen – er ist schon da. Er braucht nur die Erlaubnis, sich auch zu zeigen.

Und dann geschehen Wunder. Versprochen. Davon habe ich selbst genug erlebt.
Dann sind Familie, Geld oder Erfolg eine wunderschöne Zugabe. Und auch erst dann wirklich erfüllend. Weil wir sie nicht mehr (miss!-)brauchen, um irgendwelche Löcher in uns zu füllen, die wir gleichzeitig selbst aufrecht erhalten. Weil wir spüren, dass gar kein Loch da ist. Auch dann nicht, wenn der Partner einen schlechten Tag hat, das Kind weint, der Chef anderer Meinung ist und der Urlaub erst nächstes Jahr möglich wird, weil zuerst das Auto repariert werden soll.

Was liebevolle Selbstannahme konkret bedeutet und wie der Weg dorthin im Alltag aussieht, beschreibe ich in Teil 2.

Für den Moment reicht als allererster Schritt die klare Entscheidung:

Ich erlaube mir, in Ordnung zu sein, wie ich gerade bin!

Machst Du mit?

Wenn jetzt ein riesengroßes „Aber“ in Dir auftaucht, weil Du ja schließlich nicht bist, wie Du gern wärst oder weil Dich immer irgendjemand anders haben will: Wie oft verhältst Du Dich im normalen Alltag absichtlich ‚falsch‘, um bewusst jemandem zu schaden oder ihn zu verletzten? Und zwar nur aus diesem Grund? Und ist es überhaupt möglich, mit einer Handlung oder Entscheidung absolut jeder Meinung gerecht zu werden?

Und wenn das „Aber“ sagt, dass die anderen dann immer noch nicht so ‚funktionieren‘, wie Du es Dir vorstellst: Ist das wirklich noch so wichtig, wenn Du gleichzeitig selbst genau so sein darfst, wie Du bist? Oder ist es dann nicht viel leichter, auch die anderen so zu nehmen, wie sie eben sind? Weil Du Dir Deine Reaktion auf sie nicht mehr verbieten ‚musst‘?

Und ist es nicht wenigstens einen Versuch wert, selbst wenn Du immer noch nicht so recht überzeugt sein solltest?

Na, machst Du jetzt mit? 🙂

„Gut gemeint“ – Energieverschwendung für alle

Es hat mich mal wieder erwischt. Das Gut-Meinen ist mit mir durchgegangen – und hat am Ende alles noch schlimmer gemacht.

Dabei könnte es doch so einfach sein.

Es hat mich mal wieder erwischt. Das Gut-Meinen ist mit mir durchgegangen – und hat am Ende alles noch schlimmer gemacht.

Dabei habe ich doch erst vor einigen Wochen das Extrem von der anderen Seite erlebt:
Eine Bekannte meinte es gut. So gut, dass sie ein ganzes Wochenende lang bei ihrem Freund aufgeräumt und geputzt hat. Leider war ihr Aktionismus größer als die Effektivität, und am Ende waren alle genervt. Und wie! Weder war es wirklich sauberer als vorher, noch war das Wochenende gemütlich, noch war ihr irgendwer so richtig dankbar für das, was sie da erledigt hat. Ist halt schwierig, sich über das Feudeln (norddeutsch für: den Boden feucht wischen) des Badezimmers zu freuen, wenn Du noch im Schlafanzug in der Küche sitzt und offensichtlich gleich duschen willst. Oder wenn die Waschmaschine läuft, aber ohne Deinen Pulli in der gleichen Farbe… Und wer arbeitet umgekehrt schon gern für andere, wenn so gar keine Begeisterung zurück kommt?

Ich selbst schaffe sowas eher gedanklich als tatkräftig, aber das macht es leider auch nicht besser. Mein ‚Meisterwerk‘ war ein Gespräch vor ein paar Jahren, bei dem sich das Gut-Meinen ins totale Gegenteil verkehrt hat: Ich wollte jemandem sagen, dass mir sein Verhalten in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe nicht passte. Unbedingt ohne Vorwurf, denn ich war mir sicher, dass er es nicht böse meinte. Und das Projekt war ja noch längst nicht abgeschlossen. Leider habe ich mir so lange Gedanken gemacht und an der Mail herumformuliert, bis sie selbst für Menschen, die mich gut kennen, nach Angriff klang. Da war das Drama dann noch größer, auch und gerade für mich selbst.

Und nun hatte ich eine enttäuschende Nachricht zu überbringen. Im Nachhinein kann ich nur den Kopf über mich schütteln. Viel ätzender hätte ich das für beide Seiten gar nicht gestalten können. Dabei war es doch so gut gemeint?

Genau das Gut-Meinen ist das Problem.

Mittendrin in der Situation und in den Gedanken dazu ist das gar nicht zu erkennen. Ich möchte es für einen anderen so gut wie möglich machen. Das kann doch nicht falsch sein? Ist es auch nicht. Allerdings funktioniert es auch nicht.
Wer kennt nicht die Klischee-Schwiegermutter? Die meint es ganz besonders gut! Und geht damit ganz besonders auf die Nerven… Aber warum eigentlich?

Wer es gut meint, ist gedanklich beim anderen.

In meinen eigenen Gedanken werde ich aber nie die richtige Antwort finden, was der andere wirklich möchte, denkt oder gar fühlt. Im Extremfall weiß er oder sie es sogar selbst nicht. Wie sollte ich es dann wissen können?

Dabei schließe ich von mir auf den anderen.

Wie könnte ich auch anders? Aber wann tickt der andere schon genau wie ich? Trotzdem erzeuge ich doppelten Erwartungsdruck: Ich muss beachten, was für den anderen wichtig ist. Und der hat sich bitteschön darüber zu freuen. Zu merken, was ich da für ihn tue, wie viele Gedanken ich mir gemacht habe – und dankbar zu sein! Gefälligst! Kein Wunder, dass das anstrengend ist. Für beide Seiten. Besonders dann, wenn es schief geht.

 

Eine bessere Idee

Aber was heißt das nun? Gar nicht mehr über den anderen nachzudenken oder ihm lieber nichts Gutes mehr tun zu wollen, kann doch kaum die Lösung sein. Aber was dann?

Klarheit

Ich kann mir überlegen, worum ganz genau es mir selbst eigentlich gerade geht.

Wer weiß, was er wirklich will, macht es gut!

Jedenfalls so gut, wie es überhaupt geht.
Dann brauche ich kein Gut-Meinen mehr:
Wenn ich eine saubere Küche will, mache ich sie sauber – und brauche keinen Dank mehr.
Wenn ich mehr Zeit mit meinem Partner verbringen will, frage ich ihn, ob ich etwas für ihn erledigen kann – oder mache es mit ihm gemeinsam.
Wenn ich jemandem eine Freude machen will, kann ich beachten oder fragen, was für ihn gut ist.
Wenn ich etwas mitteilen möchte, ohne anzugreifen oder zu enttäuschen, kann ich genau das sagen.

Klingt ganz einfach. Vor allem im Nachhinein. Aber warum machen das dann nicht alle immer so?
Mir fällt dazu nur eine Antwort ein: Weil es dann gar nicht um die Sache selbst geht. Sondern um den Beweis, dass ich gut meine, was vermeintlich nicht gut ankommt.
Aber wem und warum muss ich das beweisen? Worum geht es da wirklich?
Mein Verdacht:

Die Angst, nicht zu genügen

Was, wenn mein Partner gar nicht mehr Zeit mit mir verbringen möchte? Oder mir eine Aufgabe gibt, zu der ich keine Lust habe? Oder gar keine Hilfe möchte, sodass ich mich überflüssig fühle?
Was, wenn das Paar gar nicht gut findet, was die Schwiegermutter für sie vorschlägt?
Was, wenn mein Gegenüber enttäuscht oder sauer auf meine Nachricht reagiert?

Ist es nicht das, was ich vermeiden möchte? Dass es jemandem wehtut? Und dass ich mich gezwungen fühle, darauf zu reagieren, während ich mich hilflos fühle?
Aber ganz ehrlich: Wenn es überhaupt so sein sollte, dann ist es eben so. Egal, ob ich mich traue hinzugucken oder nicht! Und erst recht, wenn ich dann auch noch einen Riesenwirbel darum veranstalte, den der andere nicht mehr einfach als unangenehm abhaken kann. Stattdessen zwinge ich ihn, sich auch noch ausführlich damit auseinanderzusetzen. Und dabei versteht er noch weniger als ich, warum eigentlich. Ganz schön kontraproduktiv, oder?

Also ist Gut-Meinen tatsächlich Energieverschwendung.

Und der Mut zur Klarheit lohnt sich in jedem Fall.

PS: Weißt Du was, liebe Angst?

Ich muss gar nicht perfekt sein.

Und wenn ich feststellen sollte, dass mein Partner, meine Beziehung oder meine Schwiegertochter anders sind, als ich dachte, dann ist das keine Katastrophe, sondern das Leben.

Und dass ein anderer Mensch durch meine Entscheidung oder mein Verhalten unangenehm berührt wird, gehört leider auch zum Leben. Das macht aus mir keinen schlechten Menschen. Aber es unbedingt vermeiden zu wollen, einen Verzweifelten.

Dabei kann es doch so einfach sein:

Ich mache, was ich wirklich will. Dann ist gut.