Liebevolle Selbstannahme – der Weg in ein glückliches Leben 2/2

In Teil 1 habe ich beschrieben, dass liebevolle Selbstannahme ein Weg sein kann, mit dem eigenen Leben glücklich(er) zu sein – unabhängig von äußeren Umständen.

Aber was soll das eigentlich sein: liebevolle Selbstannahme? Und vor allem: Wie geht das?

In Teil 1 habe ich beschrieben, dass liebevolle Selbstannahme ein Weg sein kann, mit dem eigenen Leben glücklich(er) zu sein – unabhängig von äußeren Umständen.

Aber was soll das eigentlich sein: liebevolle Selbstannahme? Und vor allem: Wie geht das?

Zunächst einmal habe ich ganz bewusst den Begriff „Weg“ gewählt. Denn liebevolle Selbstannahme lässt sich schlecht von heute auf morgen als Schlüssel zum Glück aus dem Ärmel schütteln ( solltest Du es können, verrate mir bitte, wie es geht! 😉 ). Vielmehr ist es ein Lernprozess, der Übung und Geduld braucht, damit er sich immer weiter automatisiert. Und irgendwann dann so selbstverständlich wird, dass ich nur noch ganz selten zurück in alte Muster rutsche. Und dann aber recht schnell feststelle, dass ich vom Weg abgekommen bin und wie ich darauf zurückkehren kann.

Außerdem ist die liebevolle Selbstannahme ja noch nicht die Erfüllung meiner Wünsche, sondern sie bildet die Basis. Einerseits dafür, nicht am Aktuellen zu verzweifeln. Andererseits dafür, selbstbestimmte Veränderungen einzuleiten, um mich so aktiv auf mein Ziel zuzubewegen. Dann brauche ich nicht mehr darauf zu warten, dass das Leben so wird, wie ich es gern hätte. Sondern ich kann es selbst gestalten.

 

Liebevolle Selbstannahme besteht aus drei Teilen:

1. Selbst

Völlig unabhängig von der einzelnen Situation geht es immer, immer, immer um mich selbst! Und zwar um diejenige, die ich in dem Moment gerade bin. Nicht um irgendein Bild von mir oder um irgendeine Verallgemeinerung, wer ich ‚eigentlich‘ so bin.

Am Anfang hilft mir dafür Achtsamkeit, also die bewusste

Aufmerksamkeit für mich selbst in genau diesem Moment:

Wie fühle ich mich? Was denke ich gerade? Welche Impulse sind in mir?

Ich kann mich selbst beobachten, möglichst passende Begriffe für meine Gefühle suchen. Das hat beim Üben noch einen weiteren Vorteil: Ich bekomme eine Distanz zu meinem Handeln. Ich versinke nicht mehr unmittelbar in meinen Empfindungen und fühle mich hilflos meinen Reaktionen ausgeliefert, sondern stelle fest, dass die nur ein Teil von mir sind, während da noch eine andere Instanz ist, die entscheiden kann.

Und hier taucht auch schon die erste Herausforderung auf: Um mich selbst wahrzunehmen, wie ich gerade bin, brauche ich den

Mut, von meinem idealisierten Selbstbild abzuweichen.

Die meisten von uns haben ein Bild von sich, wie sie „richtig“ sind. Und auf dieses Bild richten sich die eigenen Handlungen aus: Welches Gefühl muss unterdrückt werden, welche Reaktion ist zulässig und wo ist meine Wahrnehmung unlogisch, also ‚falsch‘? Alles, was nicht passt, wird unterdrückt, teilweise schon unbewusst – es gelangt gar nicht erst in meine eigene Wahrnehmung. Weil es ja nicht sein darf. Wenn es nämlich so wäre, müsste ich ja darauf reagieren, um wieder ‚richtig‘ zu werden. Was mir aber gar nicht möglich ist, schließlich kann ich mich nicht zu einem anderen Menschen machen, als ich nun mal bin. Also ist es lieber gar nicht erst da. Verständlich. Nur nicht immer hilfreich.

Um mich dieser Herausforderung stellen zu können, hilft die Erlaubnis aus dem vorigen Artikel:

Ich erlaube mir, in Ordnung zu sein, wie ich gerade bin!

Es geht also um Achtsamkeit: Beobachtung ohne Reaktion – und möglichst ohne Wertung!

2. Annahme

Hier kommt schon der zweite Teil ins Spiel. Annehmen bedeutet nämlich genau das:

Es ist, wie es ist. Ende der Geschichte.

Keine Bewertung, keine Verurteilung, keine Ablehnung. Und weil Annahme so vieles nicht ist, fällt uns die Umsetzung am Anfang so schwer. Wir sind es gewohnt, sofort zu werten und zu urteilen. Uns innerlich gegen Situationen aufzulehnen, die anders sind, als wir sie haben wollen. Bestenfalls generiert das Energie, um etwas zu verändern, dann sind wir auch noch zufrieden. Verschwenden wir aber diese Energie in reiner Ablehnung oder Auflehnung, werden wir nicht nur erschöpft, sondern auch unglücklich oder verzweifelt.

Es heißt, dass der größte Schmerz gar nicht aus der Situation selbst entsteht, sondern erst durch die Ablehnung. Nach langer Übung im Selbstbeobachten kann ich bestätigen: So ist es wirklich.
Deshalb ist Annahme so unglaublich wichtig.

Und wie geht das nun?

„Alles ist gut.“ – So ein Blödsinn!

Und eines der größten Missverständnisse beim Thema Annehmen. Positiv denken ist ja grundsätzlich eine gute Idee. Mir aber etwas einzureden, was nicht stimmt, ist sogar das Gegenteil von Annehmen – nämlich Verdrängen oder Verleugnen. Und das fiel ja in die Liste all der Dinge, die ich nicht mehr will.

Annehmen heißt schlicht, im ersten Moment gar nichts zu tun.
Wenn ich unbedingt etwas tun möchte, um die bisherige Reaktion durch eine hilfreichere zu ersetzen, kann ich mir bewusst sagen: „Es ist jetzt so, und das ist ok!“, oder „Es ist jetzt sowieso, wie es gerade ist, ob es mir passt oder nicht!“

Das bedeutet noch lange nicht, dass es auch so bleiben soll.

Es bedeutet, dass ich darauf verzichte,
etwas ändern zu wollen,
was ich sowieso nicht ändern kann.

Nämlich die Vergangenheit (der Auslöser ist bereits vorbei!), einen anderen Menschen (wenn dessen Verhalten der Auslöser war) oder auch die Gegenwart (meine Gefühle, Gedanken, Impulse, die bereits da sind). Wenn es daran aber sowieso nichts mehr zu ändern gibt, kann ich deutlich freier entscheiden, wie ich denn reagieren möchte. Und mich fragen, was jetzt mir gut tut.
Spannenderweise habe ich oft erlebt, dass ich gar keine großartige Reaktion mehr brauche, wenn ich meinen Gefühlen und Gedanken erst einmal ihren Raum gegeben habe. Denn das war es schon, was sie wollten: ernst genommen werden, also gesehen werden und sein dürfen. Meist ist dafür eine sachliche Äußerung meiner Stimmung völlig ausreichend. Ein einziger Satz. Kein Vorwurf, kein Streit, keine Grundsatzdiskussion. Gar nichts. Ist das nicht herrlich?

Zugegeben, dorthin zu kommen hat mich eine Menge Zeit und viel Übung gekostet. Und nicht zuletzt die Bereitschaft, mich im Nachhinein mit meinen eigenen Themen auseinanderzusetzen, die da in solchen Situationen getriggert (ausgelöst) werden. Habe ich das erfolgreich gemacht, fällt in Zukunft sogar der Auslöser weg – aber das ist wieder ein anderes Thema.

Vielleicht habe ich aber auch so lange gebraucht, weil ich eine wichtige Komponente anfangs völlig vergessen habe:

3. liebevoll

Druck war früher durchaus hilfreich für mich, heute blockiere ich mich damit grundsätzlich selbst. Unbewusst weigere ich mich zu müssen.
Auch für Menschen, die mit Druck gut zurecht kommen, dürfte dennoch die liebevolle Variante wertvoll sein. Schließlich ist das Ziel ja Glücklichsein, nicht nur Funktionieren oder Überleben.

Verständnis und Vertrauen statt Verurteilung und Verbot

Darum geht es.

In einer Situation, die uns nicht gefällt, reagieren wir oft sofort mit Ablehnung und Verurteilung.

So funktioniert unser Unterbewusstsein: Förderliches wird wiederholt, Schädliches vermieden. Das ist im Normalfall auch gut so! Wir können nicht jede kleinste Entscheidung täglich bewusst neu treffen.
Leider berücksichtigt das Unterbewusstsein aber nicht den Kontext: Was in einer Situation funktioniert, kann in einer anderen schaden. So bilden sich im Lauf des Lebens sowohl Vermeidungsstrategien, die gar nicht mehr nötig sind, als auch dysfunktionale Muster: automatische Reaktionen, die im aktuellen Kontext hinderlich sind. Bleibt das alles unbewusst, stehen wir uns oftmals selbst im Weg. Und fühlen uns ausgeliefert, weil wir keinen anderen Weg sehen. Oder verurteilen uns (oder andere) dafür, dass wir schon wieder nicht erreicht haben, was wir eigentlich wollten.

Das Wichtige daran: Das ist völlig normal und verständlich. Und notwendig zum Überleben. Es hat nichts damit zu tun, dass wir doof, unfähig oder gar bösartig sind. Höchstens, dass wir einen sehr ausgeprägten Überlebenswillen haben. Wir können also davon ausgehen, dass jedes Gefühl, jeder Gedanke, jeder Impuls, der in uns entsteht, einen Grund und einen Zweck hat – und uns dienen soll.
Leider sind die sich untereinander nicht immer einig. Dann ist es unsere Aufgabe, bewusst abzuwägen und zu entscheiden. Und das am besten liebevoll.

Daran darf ich mich auch nach langem Üben immer noch wieder erinnern:

Meine Reaktion hat einen guten Grund, sonst wäre sie nicht da!

Selbstverurteilung ist nicht nur wenig hilfreich, sondern sogar unangemessen. – Was jetzt bitte kein weiterer Grund für Verurteilung ist! 😉 Schließlich ist es doch verständlich, dass wir es möglichst gut machen wollen. Darauf darf ich vertrauen, ich brauche mir also nichts zu verbieten.

Um das zu üben hilft es vielleicht, Dir zunächst eine äußere liebevolle Instanz vorzustellen: Deine beste Freundin, der ideale Partner, ein liebevoller Elternteil, der liebe Gott, Dein Schutzengel. Such Dir aus, was für Dich am besten passt.
Diese Instanz hat die Eigenschaft, die für das Liebevolle so wichtig ist:

Sie glaubt an uns und geht davon aus,
dass wir es immer so gut machen, wie wir gerade können.

Auch dann, wenn wir es gerade vergessen haben und an uns selbst (ver-)zweifeln. Dann wird sie uns nicht beschimpfen oder Vorwürfe machen. Sondern sie wird uns daran erinnern, dass unsere Reaktion verständlich ist. Sie wird uns voller Mitgefühl in der Arm nehmen und uns Zeit geben, die Situation und unsere Gefühlsstürme zu verdauen. Und dann ehrlich interessiert fragen: Was möchtest Du jetzt daraus machen?

Wenn wir diese Instanz immer mehr selbst verinnerlichen, wird das Annehmen viel leichter. Denn dann brauchen wir nicht mehr zu sagen „Ja, es ist jetzt so!“, während alles in uns „Nein!“ schreit. Sondern wir können guten Gewissens sagen: „Ja, es ist gerade so – und ich finde es schrecklich!“

 

Zum Abschluss noch etwas praktischer an einem

Beispiel:

Situation: Irgendetwas ist passiert, worüber ich mich ärgere.

Möglichkeit 1: Ich rege mich über den Auslöser auf. Ich wollte mich doch nicht mehr davon ärgern lassen, also ärgere ich mich auch noch über mich selbst. Deshalb ärgere ich mich noch mehr. Und dafür verurteile ich mich. Und weil ich das ja auch nicht mehr wollte, verurteile ich mich auch dafür. Und immer so weiter.
Der ursprüngliche einfache Ärger potenziert sich, ebenso die Selbstverurteilung. Vielleicht projiziere ich die Verurteilung auch auf den Auslöser. Das liegt besonders dann nahe, wenn es eine Person war, deren Verhalten meinen Ärger ausgelöst hat. An der Sache ändert es überhaupt nichts. Der Ärger und die Verurteilung sind schließlich in mir, kosten meine Energie und belasten mich – nicht den anderen.

Möglichkeit 2: Ich reiße mich zusammen und unterdrücke (bewusst oder unbewusst) den Ärger.
Das klappt das eine oder andere Mal, bei jeder Wiederholung wird der ausgelöste Ärger aber anwachsen, bis ich bei Möglichkeit 1 lande. Direkt oder im Nachhinein, wenn die Situation mich doch weiterhin beschäftigt.

Möglichkeit 3: Ich lasse meinem Ärger völlig freien Lauf, heule vor Wut, schreie oder trete den Auslöser zusammen.
Im Nachhinein stelle ich fest, dass das keine gute Idee war – und schon bin ich wieder in der Verurteilungsspirale von Möglichkeit 1.

Möglichkeit 4: Ich nehme wahr, dass ich mich ärgere. (Selbst)
Ich identifiziere Wut und Ablehnung. Ich spüre den Impuls, loszuschreien oder meinem Gegenüber den Hals umzudrehen. Und mich selbst für meine Reaktion zu verurteilen. (Achtsamkeit)
Ich weiß, dass es einen Grund für meinen Ärger gibt, ob ich ihn gerade sehe oder nicht. Ich lasse mich ärgerlich sein und frage mich, welche Reaktion mir jetzt und später gut tun wird. (liebevoll)
Ist niemand sonst beteiligt, stampfe ich vielleicht einmal kräftig mit dem Fuß auf oder fluche. War eine andere Person der Auslöser, kann ich kurzfristig den Raum verlassen oder schlicht aussprechen, dass ich gerade verärgert bin.

Ich nehme also die Tatsache an, dass ich mich ärgere, obwohl ich es nicht möchte.

Und ich kann es äußern, ohne gleich ein riesiges Drama inszenieren zu müssen.

Deshalb macht liebevolle Selbstannahme mein Leben glücklicher: Ich erlaube mir zu sein, wie ich wirklich bin. Also fühle ich mich angenommen. Ich höre auf, mich zu verurteilen. Stattdessen lerne ich meine Reaktionen wertzuschätzen, denn sie zeigen, was mir wichtig ist. Ich brauche nicht mehr zu kämpfen, weder gegen mich, noch gegen andere, noch gegen die Situation. Also werde ich gelassener und entspannter. Und zusätzlich habe ich durch die liebevolle Selbstannahme ein

Werkzeug, das mir ermöglicht,
frei über meine Reaktion zu entscheiden.

Und plötzlich ist Veränderung möglich. Bzw. bereits geschehen. Einfach so.
Und im Außen geschehen Wunder. Ich habe einige erlebt.

Du auch?

Liebevolle Selbstannahme – der Weg in ein glückliches Leben 1/2

Dass Geld, Familie oder Erfolg zwar oft sehnsüchtig erwünschte und auch lohnenswerte Ziele sind, aber keine Garantie zum Glücklichsein, wissen die meisten. Was versprechen wir uns davon, dass wir selbst wider besseren Wissens unbedingt daran festhalten? Um welche Bedürfnisse geht es wirklich?
Und welcher Weg führt sicherer zum Glück?

Dass Geld, Familie oder Erfolg zwar oft sehnsüchtig erwünschte und auch lohnenswerte Ziele sind, aber keine Garantie zum Glücklichsein, wissen die meisten. Aus eigener leidvoller Erfahrung, aus der Beobachtung Angehöriger oder Prominenter oder einfach als Ahnung.

Welche Wünsche stecken dahinter?

Wofür stehen der perfekte Partner, Kinder, Geld, Karriere oder Erfolg wirklich? Was versprechen wir uns davon, dass wir selbst wider besseren Wissens unbedingt daran festhalten?

Auf den ersten Blick: Ein Gefühl von Verbundenheit und Zugehörigkeit, Freiheit und Anerkennung. Verständlich – wer wünscht sich das nicht? Und warum sollten sich diese Wünsche nicht durch Familie, Geld oder Erfolg erfüllen lassen?
Darunter steckt auf den zweiten Blick aber noch etwas anders: Der Wunsch nach

Geborgenheit, Sicherheit und Wertschätzung.

Und dann ist da auch noch das menschliche Bedürfnis nach Autonomie, das spätestens dann leidet, wenn ich glaube, es anderen recht machen zu müssen, damit sie mir diese Wünsche erfüllen. Wer ist schon in der glücklichen Lage, dass der Partner, der Chef, die Kinder, die Bank, die Nachbarn und die Person selbst alle die selben Wünsche an sie haben? Und das dauerhaft. Obwohl Situationen und Menschen sich ändern?

Wohl niemand. Dieser Weg führt also nicht zum Glück. Es sei denn, dass ich auf meine Bedürfnisse von Geborgenheit, Sicherheit und Wertschätzung verzichte. Aber was habe ich dann noch von Familie, Geld und Erfolg? Einen äußeren Anschein, der mich nicht erfüllt.

Ein anderer Weg

Eine bessere Idee ist es, einen anderen Weg zu finden, um die eigentlichen Bedürfnisse zu erfüllen: Geborgenheit, Sicherheit und Wertschätzung.

Auf dem bisherigen Weg waren wir abhängig von äußeren Umständen und bestimmten Personen.
Ich möchte Dich zu einem Gedankenexperiment einladen:

Stell Dir vor, wie es wäre, wenn es Dir überhaupt nichts ausmacht, was die Nachbarn von Dir denken oder die Kollegen über Dich sagen oder ob Dein Chef Dich mag. Wenn Du Dich nicht mehr verstellen, verbiegen oder anpassen musst. Wenn Du zu jeder Zeit wünschen, denken und fühlen darfst, was Du gerade wünschst, denkst oder fühlst. Wenn jede Deiner Entscheidungen, jede Reaktion in Ordnung ist, weil Du damit zwar nicht jeden glücklich machst, aber klar ist, dass es nicht böse gemeint ist. Ohne dass Du Dich erst erklären oder rechtfertigen musst. Wenn Fehler als Teil des Lernprozesses willkommen sind. Wenn die Menschen in Deinem Umfeld Dich bereits kennen, wie Du wirklich bist, und bei Dir sind, weil sie es möchten.

Wie fühlst Du Dich damit? Frei, geborgen, wertgeschätzt?

Die Sicherheit, angenommen zu sein

Das ist es also, was uns glücklich macht. Und wenn wir genau hinschauen, geht es dabei gar nicht mehr um äußere Umstände. Dort steht nicht, dass niemand über uns redet. Dass jeder uns liebt. Dass unser Handeln oder Fühlen immer so ist, wie wir es gern hätten. Auch wenn wir so oft glauben, dass es genau das ist, was wir zum Glücklichsein brauchen. Es geht ’nur‘ um die eigene Überzeugung: Ich darf genau so sein, wie ich bin. Und diese Erlaubnis kann mir auf der ganzen Welt nur ein einziger Mensch geben: Ich selbst. Der Rest der Welt kann mir erzählen, was er will.

Was ich selbst nicht glaube, kann mir niemand beweisen.

Die Erfahrung haben wir bestimmt alle schon mal gemacht, selbst oder mit anderen: Wer sich zu dick findet, glaubt keinem Kompliment über sein Aussehen. Kein Liebesbeweis reicht auf Dauer aus, wenn jemand glaubt, nicht liebenswert zu sein. Wenn ich glaube, einer Angst nicht gewachsen zu sein, werde ich mich der Situation gar nicht erst stellen – sie also garantiert nicht schaffen. Usw. usf.

Und nun?
Ich bin mir sicher: Dieser selbst-sichere Mensch, der sich selbst annimmt, wie er ist, es dann nach außen ausstrahlt und somit auch von seinem Umfeld gespiegelt bekommt, steckt in jedem von uns. Wir haben es nur vergessen. Und manche von uns haben ihn seit vielen, vielen Jahren nicht mehr bemerkt. Dieser Mensch, der in seiner eigenen Mitte ist, mit sich selbst im Reinen – er ist schon da. Er braucht nur die Erlaubnis, sich auch zu zeigen.

Und dann geschehen Wunder. Versprochen. Davon habe ich selbst genug erlebt.
Dann sind Familie, Geld oder Erfolg eine wunderschöne Zugabe. Und auch erst dann wirklich erfüllend. Weil wir sie nicht mehr (miss!-)brauchen, um irgendwelche Löcher in uns zu füllen, die wir gleichzeitig selbst aufrecht erhalten. Weil wir spüren, dass gar kein Loch da ist. Auch dann nicht, wenn der Partner einen schlechten Tag hat, das Kind weint, der Chef anderer Meinung ist und der Urlaub erst nächstes Jahr möglich wird, weil zuerst das Auto repariert werden soll.

Was liebevolle Selbstannahme konkret bedeutet und wie der Weg dorthin im Alltag aussieht, beschreibe ich in Teil 2.

Für den Moment reicht als allererster Schritt die klare Entscheidung:

Ich erlaube mir, in Ordnung zu sein, wie ich gerade bin!

Machst Du mit?

Wenn jetzt ein riesengroßes „Aber“ in Dir auftaucht, weil Du ja schließlich nicht bist, wie Du gern wärst oder weil Dich immer irgendjemand anders haben will: Wie oft verhältst Du Dich im normalen Alltag absichtlich ‚falsch‘, um bewusst jemandem zu schaden oder ihn zu verletzten? Und zwar nur aus diesem Grund? Und ist es überhaupt möglich, mit einer Handlung oder Entscheidung absolut jeder Meinung gerecht zu werden?

Und wenn das „Aber“ sagt, dass die anderen dann immer noch nicht so ‚funktionieren‘, wie Du es Dir vorstellst: Ist das wirklich noch so wichtig, wenn Du gleichzeitig selbst genau so sein darfst, wie Du bist? Oder ist es dann nicht viel leichter, auch die anderen so zu nehmen, wie sie eben sind? Weil Du Dir Deine Reaktion auf sie nicht mehr verbieten ‚musst‘?

Und ist es nicht wenigstens einen Versuch wert, selbst wenn Du immer noch nicht so recht überzeugt sein solltest?

Na, machst Du jetzt mit? 🙂